Devanha
Devanha, 1825 - 1900*, Aberdeen
Die Brennerei Devanha entstand laut Sekundärquellen um 1837 im südlichen Aberdeen, direkt am Flussbett des Dee. Errichtet wurde die Brennerei in Zusammenhang mit der Devanha Brewery, allerdings halte ich das Jahr 1837 für falsch. In den Aberdeen Directories wird die Brennerei bereits 1825 erwähnt, 1827 finde ich zudem die erste Zeitungsanzeige für verschiedene Biersorten aus der Devanha Brauerei - und eben auch Whisky.
Gegründet wurde die Brennerei von Basil Fisher und wurde später zusammen mit seinem Sohn William Fisher geführt.
Im Weekly Dispatch vom 7. Oktober 1827 finde ich noch eine spannende Annonce eines Londoner Whiskyhändler, hier das übersetzte Original: "ECHTER SCHOTTISCHER WHISKY
WILLIAM IRONSIDE gibt der Öffentlichkeit bekannt, dass er, da er ausschließlich gegen Barzahlung handelt, in der Lage ist, den Preis des berühmten DEVANHA WHISKY erheblich zu senken; und künftig müssen sämtliche Flaschen und Fässer bezahlt werden, wobei bei deren Rückgabe der volle Preis zurückerstattet wird. Käufer eines Puncheon oder mehrerer werden zu denselben günstigen Bedingungen beliefert wie bei der Brennerei. Bestellungen für den Export, ZOLLFREI, werden zuverlässig ausgeführt. Da W. IRONSIDE es sich zur besonderen Aufgabe macht, stets einen Vorrat des angesehensten ECHTEN SCHOTTISCHEN MALT WHISKYS zu beschaffen, der in Schottland hergestellt werden kann, kann sich die Öffentlichkeit darauf verlassen, dieses berühmte und bekömmliche Getränk im höchsten Grade der Vollkommenheit in Nr. 4, Talbot Court, Gracechurch Street zu erhalten. Keine minderwertigen Whiskys werden in den Warenbestand aufgenommen."
Demnach handelte also ein William Ironside bereits 1827 mit Devanha Whisky in London, auch im Folgejahr finde ich noch Anzeigen und Händlerverzeichnisse. In den Folgejahren findet man wenig über die Brennerei, nur die Brauerei wird hin und wieder erwähnt - allerdings nicht in Zusammenhang mit Whisky.
Erst 1836 stoße ich wieder auf Werbung des „Small-Still SCOTCH MALT WHISKEY aus der berühmten Devanha Distillery“ - und auch einen Prozess gab es, denn der Brennerei wurden von der Steuerbehörde zwei Regelverstöße vorgeworfen. Einerseits soll die Würze stärker als angegeben gewesen sein, und auch gab es wohl Abweichungen im Fassungsvermögen von Bottichen und damit zur Steuerbemessung abweichende Mengenangaben.
Aus einer Stellenanzeige vom 10. April 1849 erfahren wir den genauen Unternehmensnamen: William Black & Company. Gesucht wird ein Distiller. Oft heißt es, William Black übernahm 1852 das Unternehmen, was wir hiermit korrigieren können. William Black & Company übernahm die Brennerei spätestens 1849....aber… war auch bereits seit 1814 als Brauerei an der Adresse tätig. Damit stellt sich die Frage ob Brennerei und Brauerei zwar nebeneinander produzierten und auch mit ihren Produkten nach außen gemeinsam auftraten, jedoch eigentlich zwei getrennte Unternehmen waren. Bis dann die Brauerei von William Black & Company die Brennerei der Fishers final übernahm.
1864 findet sich dann die Meldung einer Eheschließung, aus der wir den Namen des aktuellen Distillery Managers erfahren: John Shand, Manager, Devanha Distillery, Aberdeen.
Ich erspare euch nun eine Einzelaufzählung, kann aber sagen: Der Fluss und seine Strömung waren tückisch, denn immer wieder starben Menschen bei Badeunfällen unweit der Brennerei. Insbesondere das gegenüberliegende Ufer war wohl ein beliebter Zugang zum Wasser.
Das folgende Foto zeigt dann auch den Blick auf den Dee. Angeblich dokumentiert es den Zustand vor dem großen Umbau des Hafenbeckens / bzw. der Verlegung des Hafens, für welchen auch in den Verlauf des Dee eingegriffen wurde. Die Baumaßnahmen fanden zwischen dem 22. Dezember 1869 und 1872 statt - die Aufnahme sollte also spätestens 1869 entstanden sein. Und warum poste ich es? Weil es Schornstein und die drumherum liegenden Gebäude der Devanha Distillery zeigt. Und wie nah die Brennerei am Wasser lag, sieht man auch auf dieser frühen Karte von 1862. Nur Eisenbahnverbindung und eine Straße trennten die Devanha vom Fluss.
Im Jahr 1875 verließ der Manager John Shand dann Devanha um sich seinen neuen Aufgaben zu widmen, die lagen bei der gerade neu errichteten „Invernettie Distillery“ in Peterhead. Wer weiß welche Brennerei hier gemeint war? Glenugie!
Alfred Barnard besuchte dann Devanha im Rahmen seine Whiskyreisen im Jahr 1886 und widmete ihr einen anschaulichen Bericht, welchen ich hier wiedergebe.
Die Brennerei lag demnach weniger als zwei Meilen von der Mündung des Dee in die Nordsee und eine Meile von Aberdeen entfernt. Vor der Brennerei wurde kürzlich eine 500 Fuß lange Uferpromenade angelegt. Die in zwei Rechtecken angeordneten Gebäude grenzten direkt an die Eisenbahnlinie. Die Führung durch die Brennerei übernahm Mr. Flockhardt, Manager der Devanha Distillery. Die Maßangaben der einzelnen Gebäude erspare ich euch. Einen technischen Aspekt finde ich aber eindrucksvoll, der Bericht beschreibt einen raffinierten Aufzug am Getreidelage, mit welchem die Gerste in die höhere Etage transportiert wird. Das Rad des Aufzuges ist mittels Drahtseil über 200 Yards über das Dach hinweg mit der Dampfmaschine der Brennerei verbunden.
Gemälzt wird laut Barnard auf Beton, der Boden der Darre (Kiln) bestand hingegen aus perforierten Eisenplatten. Getrocknet wird das Malz mit Hilfe von Torf und einer kleinen Menge Koks. Anschließend beschreibt Barnard das Malzlager, die Mühle und das Maischhaus. Beachtlich finde ich die Anzahl von 14 Washbacks zu je 4.000 Gallonen, die Brennblasen kamen mit einem Fassungsvermögen von 3.300 Gallonen (Wash Still) und 2.800 Gallonen (Spirit Still) daher. Und ganz spannend im Bericht ist das zweite Brennhaus, beschrieben als „old Distilling House“, vor vielen Jahren erbaut und immer noch genutzt. Hier finden wir zwei weitere Brennblasen „sehr alter Bauart“ mit 2.315 Gallonen (Wash Still) und 1.338 Gallonen (Spirit Still). Das Wasser zum Maischen stammt aus der städtischen Wasserversorgung, das Kühlwasser hingegen aus dem Dee. In den vier Lagerhäusern ist Platz für 6.000 Hogsheads.
Aus dem Bericht Barnards wissen wir also, dass Devanha im Jahr 1886 aus einem Neu- und einem Altbau bestand. Und wir haben dank seinen Aufzeichnungen auch eine Zeichnung der Brennerei:
Wir gehen noch einmal vier Jahre zurück, denn die Jagd nach guten Fässern war wohl damals schon ein Thema. Die Brennerei suchte tatsächlich frisch geleerte Sherryfässer via Zeitungsanzeige.
Die frischen Fässer hatte die Brennerei wohl auch dringend nötig, denn am 23. April 1885 berichtet das Aberdeen Press & Journal von einer Whiskybestellung. Demnach wurde am Freitag ein Sonderzug mit einer Bestellung von „100 tons of whisky“ der Devanha Distillery nach Glasgow geschickt. Die Bestellung stammt von einer Londoner Firma.
Auch die Wasserversorgung bei so großen Mengen wurde zum Problem, ein Streit um die Entnahme von Wasser aus den Teichen des Duthie Park zog sich, auch sollen Kanalisationsarbeiten die Produktion beeinträchtigt haben. 1887 entstand auf dem Gelände ein großer Wassertank.
Im Jahr 1898 findet sich dann im Aberdeen Press and Journal ein für uns spannender Artikel, der die Vorgeschichte der Brennerei beleuchtet:
„Im Jahr 1807 installierten Richard und Lewis Smith in den Culter Mills Maschinen und Pressen von Messrs Brown, Chalmers & Co.'s Devanha Paper Mill in Craiglug bei Aberdeen. Die Devanha Mill war 1803 in Craiglug von Messrs Brown, Chalmers & Co., Papiermachern und Verlegern, errichtet worden. Als die Craiglug Paper Mill aufgegeben wurde, wurden die Maschinen und Pressen nach Culter gebracht, und die Gebäude wurden von Mr William Black erworben und in eine Brauerei und Brennerei umgewandelt, die heute als Devanha Distillery bekannt ist.“
Demnach wurde die Papierfabrik bereits nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Anderen Quellen zufolge bereitete die Wasserversorgung Probleme: Durch die Gezeiten gelangte bei Flut salzhaltiges Wasser den Dee hinauf, wodurch sich das Wasser für die Papierherstellung offenbar nicht eignete. Die Maschinen der Papierfabrik wurden 1807 entfernt. Die Gebäude gelangten anschließend an William Black, der dort seine Brauerei einrichtete – möglicherweise geschah auch dies ebenfalls bereits 1807. In einem Ratsbeschluss von 1814 wird William Black jedenfalls bereits als „brewer at Devanha“ bezeichnet.
Gleichzeitig stoßen wir bei der späteren Devanha Distillery auf die Familie Fisher. Damit verfestigt sich für mich die These, dass Devanha Brewery und Devanha Distillery zumindest zeitweise zwei getrennte, parallel bestehende Betriebe waren, bis auch die Brennerei von der William Black & Company übernommen wurde.
Nach dem Pattison-Crash 1898 und der Jahrhundertwende wird in es den Zeitungen ruhiger, obwohl… eher totenstill. Keine Werbung für Devanha Whisky , kein Treber für Viehhalter, keine Stellenanzeigen. Fast gar nichts.
1903 stirbt Mr. Robert S. Cumming im Alter von 69 Jahren. Dem Nachruf nach begann seine Verbindung zur Devanha Distillery vor einem halben Jahrhundert, später wurde er dann Partner im Unternehmen. Er soll eine in der Whiskyindustrie bekannte Persönlichkeit gewesen sein.
1906 verlässt ein William Ord die Stadt Aberdeen, weshalb sein Hausstand im „Devanha Distillery House“ zum Verkauf steht. Dabei handelte es sich aber nicht um eine einfache Wohnung für Arbeiter, stattdessen werden Eichenschränke, Walnussmöbel und ein Walnussklavier aufgezählt. William Ord lebte also deutlich besser als normale Beschäftigte.
Im Jahr 1909 stehen Brennerei und Brauerei zum Verkauf, Einrichtung und Equipment sollen in einwandfreiem Zustand sein. Was allerdings auch fehlt: Ein Hinweis für irgendeine Art der Betriebstätigkeit. Anfangs soll der Verkauf noch gemeinsam stattfinden, Ende 1909 teilt man den Versuch in Brennerei und Brauerei auf. Im Frühjahr 1910 sucht man für die Devanha Distillery immer noch einen Käufer, die Brauerei hingegen wechselte den Eigentümer.
Der letzte Ansatzpunkt für eine aktive Brennerei ist die Werbung für frischen Treber vom 12. Dezember 1899.
Die Brennerei ist in den Adressverzeichnissen 1904 zum Beispiel noch nachweisbar, was aber nur für ein existentes Unternehmen spricht, nicht jedoch für irgendeine Art der Whiskyproduktion. Also noch mal der Reihe nach: 1898 der Pattison Crash und 1899 massive Überbestände, schwere Krise der Whiskyindustrie. Die Saison 1899 begann die Produktion noch einmal, denn immerhin stand im Dezember Treber als Viehfutter zur Verfügung. 1903 stirbt ein Partner des Unternehmens. 1906 verlässt William Ord die Brennerei, vielleicht hat er die Bestände verwaltet oder war als Manager bzw. leitender Angestellter der Brauerei tätig, denn diese hat tatsächlich durchgehend bis mindestens 19908/1909 produziert.
Die Stilllegung der Brennerei wird meist mit 1909 oder 1910 angegeben, die endgültige Schließung mit 1915. Ich kann da überhaupt nicht mitgehen und denke eher, dass die Produktion bereits 1900 oder kurz darauf stillgelegt und nicht mehr aufgenommen wurde. Im oft zitierten Jahr 1909 endete vorläufig auch der Betrieb der Brauerei.
Diese Karte dokumentiert den Zustand in ihren die letzten Betriebsjahren (1899/1900)




