Glenfyne
Ardrishaig, Argyll and Bute, Schottland
1831 - 1937, auch bekannt als Glengilp und Glendarroch
Die frühen Jahre
Den Quellen nach, insbesondere nach Brian Townsend, wurde die Brennerei von Henry Hoey im Jahr 1831 als Glenfyne gegründet, genauer gesagt als Henry Hoey & Co.’s Glenfyne Distillery. Sie entstand nördlich von Ardrishaig am Crinan Canal. Im Jahr 1837 findet sich jedoch auch bereits ein erster Hinweis auf den Namen Glengilp. Über die ersten Jahre ist ansonsten nicht viel bekannt.
Um 1852 übernahm sie Peter McNee, spätestens er verpasste ihr den Namen Glengilp. Nach seinem Tod im Jahr 1855 stand die Brennerei zum Verkauf. Beworben wurde ein guter Kai sowie die Dampfschiffverbindung nach Glasgow. Weiter heißt es in der Verkaufsanzeige: Die Brennei Glengilp ist in vollständig betriebsfähigem Zustand, verfügt über eine reichliche Wasserversorgung, ein Recht zum Torfstechen und sei in der Lage, wöchentlich 1.000 Gallonen Malt Whisky herzustellen. Dazu gehören weitere Gebäude, darunter ein Sägewerk, eine Mühle, Ställe sowie ein Wohnhaus mit Speisezimmer, Salon, Küche und fünf Schlafzimmern. Zudem umfasst das Anwesen 11 Acres Land.
William Hay übernahm die Brennerei ca. 1857 und betrieb die Glengilp Distillery in den Folgejahren. Laut Brian Townsend führte William Hay Junior die Brennerei nach dem Tod des Vaters 1869 fort, bevor er sie später an William Smyth verkaufte.
Vorher erfahren wir noch aus einer sehr traurigen Meldung, dass der Betriebsleiter der Brennerei im Jahr 1864 ein gewisser Mr. George Stephen war, der vorher bereits bei Carsebridge tätig war. Seine Kinder spielten mit einem geladenen Gewehr, die sechsjährige Annie Jane verlor dabei ihr Leben. Die traurige Nachricht wurde in den zwei darauf folgenden Wochen in über 30 Tageszeitungen abgedruckt.
Bevor ich in der Geschichte fortführe, ein Blick auf die Karte. Sie zeigt Glengilp im Jahr 1867.
Laut Brian Townsend und seinem Werk „Scotch Missed“ erwarb William Smyth die Brennerei 1870, das passt aber nicht ganz zur Archivlage.
Eine Verkaufsanzeige von William Hay Junior erscheint am 23. Oktober 1871. Durch diese erfahren wir wieder einmal den Zustand der damaligen Brennerei, scheinbar war ein vorheriger Versuch erfolglos, denn der Preis wurde herabgesetzt und der Verkauf wird im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung angekündigt, welche dann am 25. Oktober 1871 um zwei Uhr nachmittags in der Faculty Hall, St. Georges Place in Glasgow stattfinden soll. Angeboten wird die komplett betriebsfähige Brennerei, die nun bereits eine wöchentliche Produktion von 3.500 Gallonen Malt Whisky vorweisen kann. Folgender Satz ist hier besonders spannend: „This Distillery has all been rebuilt within the last seven years“, denn dieser ist zumindest ein Hinweis darauf, dass die Brennerei nicht nur erweitert, sondern in der Tat, vielleicht nach und nach, neu errichtet wurde. Zum Erwerb sind auch Wohnhäuser für den Betriebsleiter, die Steuerbeamten sowie die Arbeiter inkludiert. Der lagernde Whisky muss nach Wertermittlung extra erworben werden. Im März 1872 steht die Brennerei immer noch zum Verkauf, diesmal mit dem Hinweis, dass auch eine Pacht möglich wäre.
Eine eidesstattliche Aussage des besagten William Smyth aus dem Jahr 1878 lässt die vergangen Jahre gut rekonstruieren. Offensichtlich ist er wirtschaftlich gescheitert und musste Konkurs anmelden. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen:
Im Januar 1873 kauft William Smyth die Glengilp Distillery von den „Trustees“ des verstorbenen William Hayes für £5.000. Davon finanziert er £4.000 über die Commercial Bank und £1.000 aus eigenen Mitteln. Smyth betreibt Glengilp bis einschließlich 1876 selbst. In dieser Zeit steckt er weitere £2.000 in „additions and alterations and new plant“ – also Erweiterungen, Umbauten und neue technische Ausstattung. Im September 1876 verkauft Smyth dann Glengilp für £7.000 an Mr. Fairman. Der Verkauf scheitert jedoch praktisch an der Finanzierung und wird rückgängig gemacht. Smyth sagt ausdrücklich, dass ihm diese Rückübertragung „serious loss“ – erhebliche Verluste – verursacht habe. Anschließend wird eine andere Konstruktion gewählt: Fairman pachtet Glengilp von Smyth für zehn Jahre zu £575 jährlich. Auch dieses Arrangement endet bereits nach ungefähr einem Jahr im Oktober 1877. Als Grund nennt Smyth Fairmans schlechten Gesundheitszustand und dessen Entscheidung, die Brennerei nicht länger als Pächter zu betreiben. Seit Oktober 1877 befindet sich Glengilp wieder unmittelbar in Smyths Besitz und er muss in die Insolvenz.
Spannend ist hierbei noch die durchgehende Verwendung des Namens „Glengilp“, denn den meisten Quellen nach hat Smyth die Brennerei in Glendarroch umbenannt. Das ist offensichtlich falsch.
In Folge der Abwicklung geht die Brennerei um das Jahr 1880 an Mr. D. Kemp & Company und im März 1881 erwirbt sie dann William Gillies. Und unter spätestens diesem erhält sie dann tatsächlich den Namen „Glendarroch Distillery“.
Und warum lag Brian Townsend in seinem Buch „Scotch Missed“ falsch? Vielleicht kann ich auch das aufklären. Im Jahr 1873 erwarb Smyth die Brennerei, im selben Jahr wurde die Glendarroch Distillery Co. gegründet und mit einem Aktienkapital von 60.000 Pfund ausgestattet. Allerdings stand diese nicht in Verbindung mit Smyth. Das Ziel des Unternehmens war die Errichtung einer neuen Brennerei in Ardnadam am „Holy Loch“, nach heutigen Verhältnissen ca. 42 Meilen von der hier beschriebenen Brennerei entfernt.
An dieser Stelle mache ich eine Pause - und schiebe den langen Bericht von Alfred Barnard ein.
Glendarroch im Bericht von Alfred Barnard
Alfred Barnard besuchte die Brennerei in Rahmen seiner Whiskyreise im Juli 1885 und muss von der Brennerei begeistert gewesen sein. Eigentlich wollte ich den Text wie immer zusammenfassen, aber dafür ist er einfach zu schön geschrieben. Barnard berichtet oft sehr technisch, hier kann man seine Begeisterung für die Brennerei förmlich spüren. Obwohl die Brennerei den Namen Glendarroch im Vergleich eher kurz trug, prägte der Bericht Barnards spätere Quellen bis heute.
Zwei Hinweise: In Büchern veröffentlichte Texte werden nach UK-Recht 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei. Die Übersetzung erfolgte mit KI-Unterstützung und kann kleinere Fehler beinhalten, ich hab sie aber möglichst nah am Originaltext gehalten.
Glendarroch Distillery, Ardrishaig, 26. Juli 1885
"Wir verließen Greenock am Morgen des 26. Juli mit der „Columba“, einem der schnellen Passagierdampfer des Herrn David MacBrayne, mit Kurs auf die Brennerei, die diesem Kapitel ihren Namen gibt. Die Schiffe auf dieser Route sind mit jeder nur denkbaren Annehmlichkeit und Vorrichtung für den Komfort der Passagiere ausgestattet. An Bord befinden sich ein Postamt mit Telegraphen- und Postanweisungsabteilung, ein geschmackvoll ausgestatteter Obstladen, ein Bücherstand und ein prächtiger Speisesalon. Neben der „Columba“ gibt es die „Iona“ und die „Grenadier“, und einer dieser Dampfer befährt diese Route täglich das ganze Jahr hindurch. Die Landschaft während der Reise ist überaus malerisch und abwechslungsreich, und es dürfte schwerfallen, eine romantischere Gegend zu finden als jene rings um und zu beiden Seiten der Kyles of Bute. Die großartige Kulisse der Berge mit schattigen Tälern, die sich an ihre Hänge schmiegen, und die schönen tiefen Wasser der Lochs mit ihren hübschen Zufluchtsorten an der Küste verbinden sich zu einer Landschaft, die diese Strecke zu einer der beliebtesten „Sommertouren“ des Herrn MacBrayne macht.
Wir erreichten Ardrishaig um ein Uhr nachmittags und machten uns, nachdem wir uns im Hotel einquartiert hatten, auf den Weg nach Glendarroch, das etwa eine halbe Meile entfernt liegt. Die Brennerei befindet sich am Ufer des weithin berühmten Crinan Canal und bildet für die Tausenden von Touristen, die an Bord des berühmten kleinen Kanaldampfers „Linnet“ auf ihrem Weg nach Oban an ihr vorüberfahren, ein ausgesprochenes Objekt der Neugier.
Sie ist am Fuße des Robber’s Glen erbaut, das sich vom Ufer des Kanals hinauf bis tief in die im Hintergrund liegenden Berge erstreckt; dieses Tal war einst ein Zufluchtsort von Schmugglern, und ein romantischerer Platz hätte für eine Brennerei kaum gewählt werden können. Der Darroch, ein Burn, den man beinahe als Fluss bezeichnen könnte, entspringt in den höheren Bergen und fließt durch das Tal, wobei er auf seinem Lauf über zahlreiche Felsen stürzt. Beim Erreichen des Geländes von Glendarroch bildet er einen reizvollen Wasserfall von siebzig Fuß Höhe, schießt über weitere Felsen in ein darunterliegendes Forellenbecken und findet schließlich, nachdem er durch einen Tunnel unter dem Kanal hindurchgeflossen ist, seinen Weg zum Meer. Hinter den rückwärtigen Mauern der Brennerei steigt das Gelände in Form eines steilen, dicht bewaldeten Hügels an, auf dem Farne und Glockenblumen in üppiger Fülle wachsen. Wir kletterten den Zickzackpfad etwa eine Viertelmeile hinauf und mussten uns häufig tief unter herabhängenden Bäumen hindurchbeugen, die über den Weg gewachsen waren, um dem Pfad folgen zu können.
Nachdem wir den Burn über eine rustikale Brücke überquert hatten, stiegen wir weiter das Tal hinauf. Inmitten von Bäumen in allen nur denkbaren Grüntönen und von waldiger Schönheit, während die Luft vom reichen Duft des Weißdorns und der Flieder erfüllt war, der aus den üppigen Gärten unterhalb emporstieg, verliert man sich in einer Szenerie von unbeschreiblichem Reiz und unbeschreiblicher Schönheit. Über uns liegen die höheren, mit Heidekraut bedeckten Berge; unter uns erstreckt sich eine gewaltige Wasserfläche des Lochs bis zum dahinterliegenden Meer.
Auf der gegenüberliegenden Seite steht Kilmor Castle vor einer Kulisse von Bergen, deren Farben von Grün bis Purpur reichen, teilweise dicht bewaldet, während das Ganze vom rosigen Schimmer der untergehenden Sonne überzogen wird. Dieses reizvolle bewaldete Tal ist ein beliebter Aufenthaltsort für Touristen und Künstler; doch in früheren Zeiten, wie bereits erwähnt, ließen sich hier Schmuggler nieder, die, dem Gesetz trotzend, einen berühmten Whisky herstellten, nach dem große Nachfrage bestand.
Der Überlieferung zufolge ist im Innersten des Berges ein Schmuggler gefangen, der dort vom rächenden Geist eines Steuerbeamten, dem er das Leben genommen hatte, in schmachvoller Gefangenschaft gehalten wird. Einmal im Jahr, um Mitternacht am Jahrestag des Tages, an dem das Verbrechen begangen wurde, darf er hervorkommen; sollte er dann zufällig dem Geist des Gefährten begegnen, der ihn an die Beamten des Gesetzes verraten hatte, würde der Bann gebrochen und er freigelassen.
Wir setzten unseren Weg fort, und jede Biegung des Pfades eröffnete uns neue Ausblicke auf das Tal und veranlasste uns, hier weit länger zu verweilen, als es die kurze Zeit zuließ, die unsere unten wartenden Freunde für unseren Aufenthalt vorgesehen hatten. Es ist ein Ort wie aus einem Zauberreich, und es verwundert nicht, dass eine solche Szenerie mich noch heute, wenn ich mich an jene in Ardrishaig verbrachten Tage erinnere, in Begeisterung versetzt. Über einen anderen Pfad stiegen wir den Hügel wieder hinab und überquerten auf Trittsteinen den Ard Burn, der zusätzlich zur Wasserversorgung der Brennerei beiträgt. Er fließt aus einem Loch, das drei Meilen entfernt weiter oben in den Bergen liegt, und wir bemerkten, dass er an mehreren Stellen aufgestaut worden war, wo das Wasser über feine Steine und Kies gefiltert wird, bis es schließlich in ein kreisförmiges, betoniertes Reservoir fällt, das auf gleicher Höhe mit dem oberen Teil der Werksgebäude liegt.
Die Glendarroch Distillery bedeckt eine Fläche von drei Acres und ist solide aus Stein in Form eines Vierecks erbaut, mit einer 500 Fuß langen Front zum Kanal. Wir betraten den Innenhof durch ein Tor mit einem Schiebetor, dessen Flügel nach rechts und links laufen, und wurden höflich von Herrn Hunter, dem Manager, empfangen, der uns durch die Anlagen führte. Er teilte uns mit, dass die Gerste auf dem Kanal zur Brennerei gebracht werde und die Schiffe sie unmittelbar an den Türen des Kornspeichers entladen. Das bereits erwähnte Wasser vom Achnagbreach Hill wird für die Destillation verwendet, während das Wasser aus dem Loch und dem Darroch Burn als Antriebskraft dient.
Zuerst besichtigten wir den Kornspeicher und die Mälzereien (Granary and Maltings), die sich, vom Eingang aus gesehen, auf der linken Seite des Vierecks befinden.
Sie bestehen aus einem hohen zweigeschossigen Gebäude von 131 Fuß Länge und 48 Fuß Breite. Am westlichen Ende befindet sich eine ausgezeichnete betonierte Weiche (Steep), in der gleichzeitig 66 Quarters Gerste eingeweicht werden können. Ein kleiner Teil des oberen Stockwerks wird ebenfalls für Mälzzwecke genutzt, doch der größere Teil dient zur Lagerung der Gerste und kann 2.000 Quarters aufnehmen; das Getreide wird unmittelbar von den Schiffen im Kanal auf den Gerstenboden (Barley Loft) hinaufgehoben. Am Ende dieses Gebäudes befindet sich eine neue Darre (Kiln), eine der besten, die wir in diesem Teil Schottlands gesehen haben. Sie misst 51 Fuß im Quadrat, besitzt einen Boden aus Drahtgewebe und wird ausschließlich mit Torf beheizt, der in den benachbarten Mooren gestochen wird. Das Malz wird mittels eines dampfbetriebenen Aufzugs auf den Darrenboden befördert, der bei vollständiger Befüllung 1.000 Bushels auf einmal trocknen kann. Das getrocknete Malz wird durch eine Rutsche unmittelbar auf den Boden des Malzlagers (Malt Deposit) befördert, das sich im obersten Stockwerk des angrenzenden Gebäudes befindet, welches die Mitte des Vierecks bildet und dem Haupteingang gegenüberliegt. Es ist 48 Fuß lang und 40 Fuß breit; das untere Stockwerk wird als Zollverschlusslager Nr. 3 (No. 3 Bonded Warehouse) genutzt.
Unser Führer führte uns als Nächstes durch eine Tür unmittelbar in das oberste Stockwerk des Mühlengebäudes. Dieses bildet den Schrotboden (Grist Loft), einen Raum von 50 Fuß Länge und 30 Fuß Breite, mit einem großen Trichter an einer Seite. Darunter befindet sich die Mühle, die ein Paar metallene, mit Dampfkraft angetriebene Walzen enthält; hier befindet sich ebenfalls die Maschinenabteilung. Das zerkleinerte Malz wird durch Elevatoren zu dem bereits erwähnten Schrottrichter darüber befördert. Wie man erkennen kann, erfolgt der Herstellungsprozess des Whiskys in diesem Betrieb größtenteils durch Schwerkraft; er führt rund um das Viereck und endet im Spirituosenlager (Spirit Store). Beim Betreten des nächsten Gebäudes befinden wir uns auf der mittleren Plattform des Maischhauses (Mash House), wo zwei hölzerne Heißwassertanks stehen, die jeweils 5.000 Gallonen fassen. Das erste Objekt, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, war eine stählerne Maischmaschine (Steel Mashing Machine), die aus dem Trichter im Schrotboden gespeist wird. Nachdem wir zum Erdgeschoss hinabgestiegen waren, gelangten wir zum Maischbottich (Mash Tun), einem Gefäß mit einem Durchmesser von 17 Fuß und einer Tiefe von 6½ Fuß. Darin befindet sich ein dreifach wirkendes Rührwerk, das vom Wasserrad angetrieben wird.
Zu unserer Linken und unterhalb des Bodens befindet sich der metallene Underback mit einem Durchmesser von 11½ Fuß und einer Tiefe von 5½ Fuß. Er besitzt eine halbkreisförmige, durch ein Geländer gesicherte Öffnung. Unter diesem Gefäß befindet sich das Gehäuse der Würzepumpe (Wort Pump), der einzigen Pumpe auf dem gesamten Gelände; mit Ausnahme des Pumpens der Würze erfolgt alles andere durch Schwerkraft. Der Treber (Draff) aus dem Maischbottich fällt durch eine Schleuse in einen darunterliegenden Trichter und wird mittels Wasserkraft direkt in das Treberhaus (Draff House) im äußeren Hof befördert. Das Maischhaus ist ein ausgezeichnetes Gebäude, 60 Fuß hoch, 39 Fuß breit und 27 Fuß lang. Alle altmodischen Kühler (Coolers) sind schon vor langer Zeit abgeschafft worden, und die Würze wird nun zu einem Miller’s Refrigerator hinaufgepumpt, der im Dach des benachbarten Gebäudes angebracht ist; von dort führen Kupferrohre die Würze unmittelbar in die Gärbottiche (Fermenting Tuns).
Über eine Treppe gelangten wir in den Gärraum (Tun Room), der etwa 10 Fuß über dem Niveau des Maischbottichs liegt. Er misst 40 Fuß im Quadrat, ist gut beleuchtet und enthält fünf Washbacks mit einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von jeweils 5.500 Gallonen. Die darin befindlichen Rührwerke werden von einem zweiten Wasserrad angetrieben, um die Flüssigkeit während des Gärungsprozesses in Bewegung zu halten. Das darunterliegende Stockwerk wird als Lagerhaus Nr. 4 genutzt. Anschließend durchquerten wir die Brauabteilung und betraten das Brennhaus (Still House), das von manchen als Musterbeispiel seiner Art angesehen wird. Es ist 65 Fuß lang, 40 Fuß breit und 60 Fuß hoch; seine Wände sind weiß gestrichen und es wird durch elf große Fenster erhellt. Am östlichen Ende befindet sich, auf gleicher Höhe mit dem Boden der Washbacks, der Wash Charger, ein hölzernes Gefäß mit einem Fassungsvermögen von 6.000 Gallonen, in das die vergorene Maische durch Schwerkraft hineinläuft. Auf dem Boden des Gebäudes stehen drei „kleine Pot Stills“: eine Wash Still mit einem Fassungsvermögen von 4.726 Gallonen sowie zwei Low-wines Stills; eine davon fasst 1.000 Gallonen, die andere 500. Der Worm Tub befindet sich hinter dem Gebäude und in unmittelbarer Nähe des Darroch. Es handelt sich um ein großes hölzernes Gefäß, das auf Pfeilern erhöht steht und von einem ununterbrochenen Strom kalten Wassers aus dem Reservoir gespeist wird. Es bildet vom Kanal aus gesehen ein auffälliges Objekt, wie auch auf der Abbildung zu erkennen ist, und gibt Touristen, die in die Geheimnisse der Destillation nicht eingeweiht sind, häufig Anlass zu Fragen nach seinem Gebrauch und Zweck. Wir stiegen nun eine Treppe zu einer großen Galerie hinauf, von der man den Kanal und den wunderschönen Loch Fyne überblickt. Hier befinden sich zwei Feints Receivers, von denen Nr. 1 1.571 Gallonen und Nr. 2 1.549 Gallonen fasst; außerdem zwei Spirit Receivers, von denen Nr. 1 1.544 Gallonen und Nr. 2 500 Gallonen fasst. Neben dem Safe und dem Sampling Safe bemerkten wir eine tragbare Feuerspritze sowie weitere Vorrichtungen zur schnellen Bekämpfung und Verhütung von Bränden. Uns wurde mitgeteilt, dass Glendarroch von den Steuerbehörden (Excise authorities) als eine der vollständigsten Brennereien des Bezirks angesehen werde. Dem Weg des Whiskys folgend begaben wir uns zum Spirit Store, einem hübschen, hellen kleinen Gebäude, das einen Spirit Vat mit einem Fassungsvermögen von 3.248 Gallonen sowie einen Ullage Vat von 231 Gallonen, die Wiegevorrichtung und ein Büro für die Beamten der Steuerbehörde enthält.
Es gibt vier große Lagerhäuser mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 2.000 Fässern sowie weitere Lagerhäuser in der Waterloo Street in Glasgow, wo sich auch die Geschäftsräume der Brennerei befinden. Bei der Fortsetzung unserer Besichtigung von Glendarroch besuchten wir als Nächstes die Maschinenabteilung. Sie enthält eine sehr ansehnliche Dampfmaschine von 25 Pferdestärken sowie einen Dampfkessel von 31 Fuß Länge und 7½ Fuß Durchmesser. Anschließend besichtigten wir die Büros des Managers und der Steuerbeamten; ersteres befindet sich über dem Spirit Store, letzteres über Lagerhaus Nr. 1.
Glengilp House, der Wohnsitz eines früheren Eigentümers der Brennerei, wird nun vom Manager bewohnt. Der große altmodische Garten, dicht mit Obstbäumen und Blumen bestanden und sich bis zu den Ufern des Kanals erstreckend, ist zwischen diesem Herrn und den beiden Steuerbeamten aufgeteilt worden; Herr Gillies hat für Letztere malerische Häuser errichten lassen, die sich zu diesem Garten hin öffnen. Im Park befinden sich außerdem acht Häuser für die Arbeiter, von denen jedes über ein kleines Stück Land verfügt. Die reizvollen Wiesen, die Glengilp House umgeben, werden von Herrn Gillies bewirtschaftet und bringen ungewöhnlich reiche Ernten von Heu ausgezeichneter Qualität hervor. Hinter dem Betrieb und günstig zur Darre gelegen befindet sich ein großer Torfschuppen, der mehr als 500 Tonnen gebrauchsfertigen Torf enthält. In der Nähe des Worm Tub und dem Burn zugewandt befinden sich eine große Küferei, Stallungen und Wagenschuppen.
Das Haus Glendarroch, das Herr Gillies vor Kurzem erworben hat und von ihm als Sommerresidenz genutzt wird, befindet sich auf der anderen Seite des Wasserfalls. Es steht inmitten reizvoller Anlagen und ist beinahe vollständig hinter Bäumen verborgen. Rosen jeder Art klettern über seine Mauern und sein Dach, und über den Weg, der zum Haus führt, hängen acht Fuß hohe Fuchsienbäume, unter denen man hindurchgeht und die von der Milde des Klimas in diesem Bezirk Zeugnis ablegen. Hinter dem Anwesen steigt ein kleiner Park an, von dem aus sich herrliche Ausblicke auf den weitläufigen und berühmten Besitz von Auchindarroch bieten, der unmittelbar angrenzt. Es ist ein Ort abgeschiedener Schönheit, der in diesem Bezirk seinesgleichen sucht. Er zieht sich über eine beträchtliche Strecke am Kanal entlang und bildet einen Saum aus Buschwerk und Bäumen, die mit Geißblatt und anderen rankenden Pflanzen geschmückt sind – ein Anblick, der jedem vertraut ist, der auf dieser reizvollen Route auf dem Weg nach Oban und in den Norden vorbeigekommen ist.
Der in der Glendarroch Distillery hergestellte Whisky ist reiner Highland Malt, und die jährliche Produktion beträgt 80.000 Gallonen.
Die sinkende Sonne mahnte uns, dass es Zeit für unseren Aufbruch war. So stiegen wir in das Boot der Brennerei und wurden rasch über den Kanal zu unserem Quartier am gegenüberliegenden Ufer gebracht, wo wir unseren „Kriegsschmuck“ („war paint“) anlegten und uns anschließend zum Haus Glendarroch begaben, um die Gastfreundschaft seines Besitzers zu genießen."
Hier endet der lange Bericht von Barnard - er umfasst zudem mehrere Zeichnungen. Unter anderem diese hier:
Glenfyne - Zurück zum alten Namen
Nachdem Alfred Barnard die Gastfreundschaft der Glendarroch Distillery so wunderbar genießen konnte, wurde sie nur knapp dreieinhalb Jahre später abermals verkauft.
Am 1. Dezember 1888 vermeldet der Oban Times and Argyllshire Advertiser den Kauf durch Mr. William Foulds, Spirituosenhändler aus Paisley. Er beabsichtige die Brennerei gründlich instand zu setzen und unverzüglich mit dem Mälzen zu beginnen, schon Anfang Januar 1889 soll die erste Maischung stattfinden. Zudem soll ein neues großes Lagerhäuser errichtet und die Wasserversorgung erneuert werden. Insgesamt soll eine große Anzahl an Arbeitsplätzen geschaffen werden, um die wirtschaftliche Not durch den Rückgang der Fischerei zu lindern. Auch wird die Namensänderung angekündigt: Glenfyne heißt wieder Glenfyne.
Im Mai 1889 verlässt Robert Hunter, vormals Distillery Manager, das Unternehmen und wird von der Belegschaft verabschiedet. Der neue Manager hieß wohl Grant, denn sein Sohn W. Grant wird 1890 in die Freimaurerloge „Loch Fyne“ aufgenommen.
In einer Meldung im Sommer 1889 erfahren wir, dass Glenfyne auch wirklich unter dem neuen Inhaber produziert hat, das Ende der Saison wird verkündet und die Produktionspause startet am 22. Juni 1889. Im Januar 1890 beginnt mit dem Mälzen die neue Saison, zudem wir am 1. Februar 1890 vermeldet, dass das neue große Lagerhaus fast fertiggestellt ist und bei gutem Wetter innerhalb eines Monats bezugsfertig sein sollte. Die Fertigstellung wird dann allerdings erst im Mai vermeldet, da ist dann aber auch von mehreren großen Lagerhäusern die Rede.
Offensichtlich war auch die Nachfrage da, denn die Produktionspausen wurden kürzer. Statt erst Januar 1891 mit dem Mälzen zu beginnen, wird die Saison bereits im November 1890 eingeleitet.
Hier kommt nun aber der nächste Einschnitt, denn William Foulds stirbt und die Nachlassverwalter bieten Glenfyne am 17. August 1891 zum Verkauf an. Dank der Zeitungsannonce im Morning Advertiser erfahren wir noch ein paar Details. Die jährliche Kapazität von Glenfyne wird mit 150.000 Gallonen angepriesen, die gesamte Brennei wurde gründlich überholt und erneuert, die Mälzereien erweitert und große Lagerhäuser (in Mehrzahl) errichtet.
Ein Reisebericht nennt 1895 immer noch William Foulds bzw. dessen Firma als Eigentümer. Einerseits kann es sein, dass so ein Reisebericht mit landschaftlicher Beschreibung damals keine Recherche nach sich zog und die Brennerei tatsächlich schon in neuen Händen war, andererseits hat sich gegebenenfalls kein Käufer gefunden und die Brennerei wurde von den Erben bzw. Nachlassverwaltern fortgeführt. Auf jeden Fall war sie in Betrieb, denn am 28. Dezember 1895 finde ich eine Anzeige für frischen Treber, der von der Brennerei als Viehfutter erworben werden kann. 1896 finde ich einen Inhaberwechsel einer Agency, die Vertretung der Marken der William Foulds & Co., Glenrosa Scotch Whisky und Glenfyne Distillery werden fortgeführt. Durch die Aufzählung gehe ich auch davon aus, dass die Marke Glenrosa zur Brennerei Glenfyne gehörte und zugleich die Firma den Namen Foulds beibehielt. In den Folgejahren finde ich immer wieder die Firmenbezeichnung, insbesondere im Zusammenhang mit gesellschaftlichem Engagement, neben der Spende von einer Tonne Kohle „für die Armen“ werden auch Pokale für Sportveranstaltungen gesponsert.
Glenfyne - in den Jahren nach der Jahrhundertwende
Wir durchschreiten nun das Jahr 1900, anfangs floriert die Branche noch, der Crash steht jedoch unmittelbar bevor.
Im „Distillers', Brewers', and Spirit Merchants' Magazine“ vom 1. Oktober 1901 findet sich ein Bericht über die wenigen Whiskyaussteller bei der Glasgow Exhibition, bei er auch Foulds & Co. mit ihren Erzeugnissen aus der Glenfyne Distillery vertreten sind. Ihre Marken „Lochfyne“ und „Sandy Samson“ werden beide in Ardishaig destilliert und besonders in Australien und bei Marineoffizieren sehr geschätzt. Besonders geschätzt sei ihr „Grand Liqueur“ auch beim Duke of York, nunmehr Cornwall. Als dieser in Glasgow die Cessnock Docks besuchte, wurde der Whisky auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin bestellt.
Weiter beschreibt der Artikel den Whisky und die entsprechenden Flaschen: "Der Whisky wird aus reinem Highland-Malz aus feinster schottischer Gerste hergestellt; er besitzt eine vorzügliche goldbraune Farbe und zeichnet sich durch seine Fähigkeit aus, Wasser aufzunehmen, ohne merklich an Geschmacksfülle einzubüßen.Die Fenster ihres Ausstellungsstandes erstrahlen mit ihren ansehnlichen Flaschen mit roten Kapseln sowie mit einer Ansicht der Glenfyne Distillery an den romantischen Ufern des Lochs."
Warte mal......wer wollte da unbedingt den Glenfyne Whisky? Mit dem Tod Königin Victorias bestieg im Jahr 1901 Edward VII. den Thron von England, sein Sohn, der Duke of York, erhielt damit automatisch auch den Titel „Duke of Cornwall“, hier handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit also um den späteren König George V.
Am 13. Dezember 1902 findet sich eine Kurzmeldung über den Ausbruch eines Feuers in der Glenfyne Distillery. Whiskydämpfe hätten sich entzündet, der Brand konnte aber schnell gelöscht werden und hat keinen ernsteren Schaden verursacht.
Im September 1903 sucht die Brennerei einen erfahrenen Mälzer via Anzeige im Oban Times and Argyllshire Advertiser.
Im Jahr 1905 heiratet John Campbell. Durch die Heiratsanzeige wissen wir nun auch wie der damalige Distillery Manager hieß.
Und dann finde ich 1907 noch eine Anzeige aus den britischen Kolonien...neben dem bereits erwähnten Grande Liqueur findet sich da noch eine andere Marke des Hauses: "Scottish Cream".
Anschließend kommen wir leider in die heftige Krisenzeit, Glenfyne wurde vom wirtschaftlichen Abschwung der gesamten Branche erfasst.
Am 19. April 1910 vermeldet der Campbeltown Courier die Entlassung aller Beschäftigten. Als Grund wird „wegen der darniederliegenden Lage der Industrie“ angegeben. Da die Meldung mitten in der Season erfolgte, ist also von einer Stilllegung der Produktion auszugehen.
Im September 1910 wird der steuerliche Wert der Brennerei dann deutlich nach unten korrigiert. Allerdings hielt man am Unternehmen fest, denn entweder bereits 1911 oder dann zum Jahreswechsel 1912 wurde wieder Whisky gebrannt. Denn im März 1912 wird den Beschäftigten von Glenfyne mitgeteilt, dass die Arbeit auf Grund des Streiks der Kohlebergarbeiter vorübergehend eingestellt wird. Übrigens: Es waren rund eine Million Bergarbeiter, die mit ihrem Streik einen Branchenmindestlohn politisch durchsetzten.
Nun wird die Rekonstruktion schwierig, denn ich hab zwar mit entsprechenden Schlagwörtern einen Teaser-Text gefunden, da wird die Brennerei im Jahr 1919 als schon länger „silent“ beschrieben, jedoch passt die digital archivierte Tageszeitung nicht zum Teaser…. deprimierend. Eine Annahme könnte sein, dass nach dem Abschwung 1910 noch einmal versucht wurde, die Produktion 1912 aufzunehmen, die Brennerei aber bereits kurz drauf stillgelegt wurde. Die knappe Getreideernte in 1916 und die Lebensmittelrationierungen in den letzten Kriegsjahren des ersten Weltkrieges kamen noch hinzu.
1918 wurde die steuerliche Bewertung noch einmal deutlich reduziert, im Vergleich zu den Jahren vor 1910 um mittlerweile fast 75%. Vermutlich spielte hier auch das wirtschaftliche Ende von William Fould & Co. eine Rolle, das Unternehmen musste 1918 Insolvenz anmelden.
Später finden sich Meldungen, in denen Glenfyne mit Managern der West Highland Malt Distilleries Ltd. in Verbindung gebracht werden. Hier muss ich etwas genauer hinschauen. Denn nach der Insolvenz schien sich die „Robertson & Baxter Ltd.“ für Glenfyne und insbesondere die Marke "Scottish Cream" zu interessieren.
1919 wurde dann das Unternehmen „The Glenfyne Distillery Company Ltd.“ gegründet, ich vermute sogar als Tochterunternehmen von Robertson & Baxter. Das ist wiederum spannend, weil sie eben auch eine tragende Rolle bei der Gründung von West Highland Malt Distilleries und der Übernahme mehrerer Campbeltown Brennereien hatten. Ein gewisser J.W. Dewar ist zeitweise Direktor der West Highland Malt Distilleries und gleichzeitig Direktor der Glenfyne Distillery. Wir haben hier also in beiden Fällen Fällen mit Robertson & Baxter als Investoren und geschäftsführende Gesellschafter zu tun.
Es findet sich dann noch ein Bericht über die Brennerei, der am 14. März 1924 niedergeschrieben wurde. Diesen kann man unter anderem im Reprint des Buches "The Distilleries of Great Britain and Ireland" von James Eadie nachlesen. Neben der Landschaft wird die Brennerei beschrieben, die früher mal mit Dampf betrieben wurde, mittlerweile wird die notwendige elektrische Energie durch die Wasserquelle erzeugt. Ihr Torf bezieht Glenfyne aus einem ausgezeichnetem Torfmoor, welches nur zwei Meilen entfernt liegt und eine hohe Qualität liefert, wie sie für die Malzdarre erforderlich ist. Anschließend bestätigt der Bericht den Besitzerwechsel im Jahr 1919 und schildert zudem in einer kurzen Notiz, dass 1919/1920 Verbesserungen des Erzeugnisses vorgenommen vorgenommen wurden...."sodass es nun ein Whisky von feinem Highland-Charakter mit einem guten Torfgeschmack ist, der dem Islay-Typ von Whisky ähnelt. Dies macht ihn für das Blenden äußerst nützlich. Er reift gut, und selbst am Ende von drei Jahren, wenn er verfügbar ist, ist er für das Vatting recht brauchbar."
Wir kennen also nun auch den Stil, der in den 1920er Jahren hergestellt wurde. Die besondere Erwähnung der Reifung und des Blendings kann ich mir daher erklären, dass die Bestände auch in den Krisenjahren veräußert wurden, die Stilllegungen jedoch keinen neuen Whisky in die Lagerhäuser brachte und man hier schon früh den 3-jährigen Glenfyne zurückgreifen musste. Zumindest zeitlich würde das auch passen, wenn spätestens 1920 die Produktion wieder aufgenommen wurde. Ansonsten wird der Prozess des Mälzens und Maischens mit Mengenangaben beschrieben, Glenfyne verfügte zudem über 5 neue Washbacks aus Oregon-Kiefer. Es gab zwei Brennblasen, die Wash Still fasste 4.000 Galonen und die Spirit Still 2.100 Gallonen. Und ein schönes Zitat eines Einheimischen ist noch vorhanden: „Wenn man Loch-Fyne-Hering isst und Glenfyne Whisky trinkt, fühlt man sich verdammt gut!“
Und dann findet sich noch diese Aufnahme der Brennerei, entstanden am 14. März 1924. British Library, von mir nachgearbeitet.
Glenfyne - Die letzten Jahre
Am 8. November 1930 berichtet dann wieder mal der Campbeltown Courier über Glenfyne:
...„über ihr schwebt der Schatten des Schicksals, das bereits so viele Brennereien Campbeltowns ereilt hat.“ Zudem wird sie als „seit einiger Zeit nicht mehr in Betrieb und ihre Zukunft ist ungewiss“ beschrieben. Ja danke für diese genaue Zeitangabe….
Die nächste Meldung ist aus 1931, da starb John Hardie, der aktuelle Betriebsleiter von Glenfyne. Es gibt einige Hinweise, dass Glenfyne die Produktion 1931 zunächst wieder aufnehmen wollte oder tatsächlich aufgenommen hat - so schreiben ein paar Webseiten, aber Quellen dazu finde ich nicht. Einerseits haben wir hier aus 1930 den Bericht mit der längeren Stilllegung, andererseits einen 1931 verstorbenen Betriebsleiter. Ob der aber vor Ort eine produzierenden Brennerei oder ein Blending-Unternehmen leitete, vermag ich nicht abschließend zu sagen. Missachten dürfen wir auch nicht den Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, die Exporte des britischen Empire halbierten sich. Erst Mitte 1933 erholte sich die Wirtschaft.
Klar scheint aber zu sein, dass die Geschäftstätigkeit nach Ende der amerikanischen Prohibition 1933 noch mal kurz anfährt, ob aber auch in dieser Zeit gebrannt wird, ist dennoch fraglich. Zumindest wird mit der Marke „Glamis“ ein Unblended Pure Malt Whisky aus der Glenfyne Distillery für den amerikanischen Markt geschaffen. Auch gibt es Spuren eines 20-jähriger "Vatted Malt" für des amerikanischen Markt in Verbindung mit der Brennerei.
Den meisten Quellen wurde die Brennerei 1937 stillgelegt. Ich vermute dahinter eher die finale Entscheidung die Produktion nie wieder aufzunehmen.
Im Jahr 1942 finde ich noch den Todesfall des Dugald MacBrayne, der während einer Nachtschicht am Ufer des Crinan Canal ausrutschte und ertrank, er war wohl als Nachtwächter der Brennerei angestellt. Denn die Lagerhäuser wurden noch viele Jahre genutzt. Aber irgendwann wurden auch diese aufgegeben, anschließend entstand nach 1980 ein Wohngebiet mit Doppel- und Reihenhäusern.
Einzelne Reste konnte John R. Hume im Jahr 1980 noch dokumentieren, der Zustand zeigt bereits eine Jahrzehnte Verfall.Hier sehen wir ein paar der Gebäude, weitere Aufnahmen liegen im Trove.Scot-Archiv (ehm. Canmore)
Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland). Verwendung ausschließlich für Bildungs- oder persönliche Zwecke.
Wer den Standort besuchen möchte, orientiert sich im Norden des Ortes Ardrishaig, die Straße heißt Linnet Court. Hier zu sehen auf Google Maps: https://maps.app.goo.gl/h49UUeS5SZLHnAv29







