Rieclachan
Rieclachan, Campbeltown, Longrow / Millknowe Road
1825 - 1934
Rieclachan wurde bereits 1825 am oberen Ende der Longrow gegründet, dort wo sie auf die Millknowe Road trifft. Die direkten Nachbarn waren unter anderem die Campbeltown Distillery sowie die Kinloch Distillery, aber auch Hazelburn, Glen Nevis, Ardlussa und Springbank. Die Gründer waren Archie Mitchell, James Ferguson, Alex Wylie und John Harvey.
In einigen Quellen konnte ich auch die Schreibweise Rie-Clachan finden. Wenn ich das versuche aus dem Gälischen zu übersetzen, dann zielt der Name wohl auf die alten Steingebäude bzw. die Ansammlung alter steinerner Häuser. Clachans waren Siedlungen oder Weiler. Die wortgetreue Übersetzung wäre wohl ungefähr „Zu den Steinen".
Und wer bei den Gründernamen nicht zu schnell drüber gelesen hat, dem ist vielleicht der Namen Archie Mitchell aufgefallen, alle paar Jahrzehnte wurde der Name Archibald in der Familienerbfolge vergeben und ja, es handelt sich um die Familie Mitchell, die bis heute mit der Brennerei Springbank in Verbindung steht.
Nach dem Tod von James Ferguson 1860 übernahm Archibald Mitchell zusätzlich dessen Geschäftsanteil.
Hier ist erst einmal ein Kartenausschnitt aus dem Jahr 1865.
1869 übernahm dann James Harvey die Leitung der Brennerei, er war der Sohn des Gründers John Harvey. Nach seinem Tod wiederum wurden die restlichen Unternehmensteile im Jahr 1881 von Archibalds Sohn William Mitchell erworben, der zuvor die Glengyle Distillery aufbaute.
Alfred Barnard beschrieb 1885 eine alte Brennerei aus früheren Tagen, die der Großvater des aktuellen geschäftsführenden Gesellschafters gründete. Aber eindeutig wurden ein paar moderne Ergänzungen vorgenommen. Die Brennerei musste durch ein altes Tor betreten werden, es gab von der Straße her nur einen Zugang, der die Geheimnisse der Herstellung von altem Malt Whisky hütet. Zwei Getreidelager, zwei Malzböden und ein Kiln standen in der Mälzerei zur Verfügung. Zudem gab es selbstverständlich eine Mühle, eine Mash Tun sowie insgesamt sieben Washbacks zu je 5.000 Gallonen. Die Brennblasen fassten 2.139 Gallonen (Wash Still) sowie 1.600 Gallonen (Spirit Still). Drei Lagerhäsuer beherbergten zum Zeitpunkt des Besuchs 1.100 Fässer, der Whisky wurde als Campbeltown Malt gehandelt.
Der Bericht im Reprint „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ stammt vom 14. August 1923, leider fällt auch dieser eher knapp aus. Der Anfang des Berichtes zielt noch einmal stark auf die Historie der Gegend ab und gibt Anekdoten aus der Zeit der Schwarzbrenner wieder, in deren Fußstapfen die Brennerei sich befände. Es wird betont, dass das Gelände vor neugierigen Blicken gut geschützt sei und eben noch viel Handarbeit nach Gefühl erfolgt. Die technische Ausstattung sei jedoch modern und ein deutlicher Kontrast zum ansonsten eher düsteren Erscheinungsbild. Und dann findet sich noch ein Satz zu den Ressourcen: Verwendet wird eine Mischung aus Torf und walisischer Kohle, die Gerste ist teils einheimisch und teils aus Dänemark. Die Brennblasen fassen 2.434 Gallonen (Wash Still) und 1.800 Gallonen (Spirit Still).
Es finden sich insgesamt vier Aufnahmen von 1923 wieder, leider alle sehr schlecht belichtet und mit entsprechender Auswirkung auf Schärfe und Tiefe. Zwei der Bilder gebe ich hier wieder, altersbedingt mittlerweile gemeinfrei. Sie sind in der British Library archiviert.
Hier sehen wir eine der Brennblasen sowie die Mash im Jahr 1923
Im Jahr 1933 übernahm Helen Mitchell die Geschäfte der Brennerei. Sie war die Tochter von Hugh Mitchell, der die Brennerei lange durch Krisenzeiten führte, dessen Gesundheitszustand sich aber verschlechterte. Auch wenn Frauen historisch stark an der Destillation von Whisky beteiligt waren, besonders zur Zeit der Schwarzbrenner und Schmuggler, so waren Führungspositionen in der mittlerweile industriell geprägten Whiskyära noch äußerst selten.
Hugh Mitchell starb am 10. Februar 1935, Rieclachan wurde kurz darauf stillgelegt und die Gebäude verkauft. Inzwischen sind alle Gebäude abgerissen.
Aus dieser Perspektive schauen wir heute auf die Brennerei, auch ein Teil des Supermarktes (rechts im Bild) steht noch auf dem Gelände der ehemaligen Rieclachan Distillery. Google Street View: jwqn9j2V2rL2f6kx8


