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Lochhead

Lochhead, Campbeltown, Lochend Street (1824 - 1928)

Auch Lochhead war eine der früheren Brennereien in Campbeltown, gegründet durch die Gebrüder McMurchy im Jahr 1824. Anschließend verkauften sie Lochhead 1833 an William Taylor, dessen Unternehmen die Brennerei bis 1895 betrieb.

Auf den meisten Karten ist sie als „Lochead“ verzeichnet. Die Brennerei entstand am Lochhead-Burn westlich der Kreuzung Lochend Street / Lady Mary Row, wo früher der Lochhead Burn dann durch Sumpfland in das Campbeltown Loch floß und damit im Meer mündete. Lochhead stand damals deutlich näher am Wasser, bis das Sumpfland trockengelegt wurde und der Kinloch Park entstand.

1865 tummelten sich an beiden Seiten des Baches Brennereien. Lochhead befand sich in direkter Nachbarschaft zu Hazelburn und der Argyll Distillery auf ihrer Seite des Lochhead Burn, auf der anderen Seite produzierten die Kintyre Distillery und Dalaruan ihren Whisky. Heute verläuft das Wasser unterirdisch. Hier sehen wir einen kleinen Kartenausschnitt von 1865, mittig, unterhalb des Baches ist die Brennerei Lochhead. 


Alfred Barnard beschrieb Lochhead dann im Jahr 1885 als eine der „old-fashioned“ Brennereien, die noch an die Zeit des Whiskyschmuggels erinnert. Eine kleine Ansammlung alter Häuser und einer ehemaligen Mühle. Dort waren bei seinem Besuch vier Getreideböden zur Trocknung und Lagerung untergebracht. Zudem vier Malzböden, welche von zwei Öfen aus beheizt wurden. Die Malzböden sollen zudem mit dem „patentierten deutschen Fliesenboden“ ausgestattet gewesen sein, ich vermute es waren Darrplatten, sprich perforierte Keramikfliesen. Der Maischebottich soll damals der größte in Campbeltown gewesen sein. Ergänzt wurde die Brennerei durch zwei Stills mit einem Volumen von 3.300 und 1.800 Gallonen sowie insgesamt fünf Lagerhäusern mit Platz für 3.000 Whiskyfässer. Der Whisky wurde damals als „Campbeltown Malt“ in Glasgow gehandelt.

Allerdings ist in den Jahren vor Barnards Besuch schon einiges passiert, bereits seit 1870 hat Lochhead seine Kapazität verdoppelt. 1881 findet sich im Campbeltown Courier ein Hinweis auf ein neues Lagerhaus in der Saddell Street. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Zeichnung von Barnard, aber ein paar Jahre später sind Fotos entstanden.


Im Jahr 1895 ging die Brennerei an John B. Sherriff, der außerdem Lochindaal und Bowmore auf der Isle of Islay sowie eine Rum-Destille auf Jamaica betrieb. Direkt nach Erwerb entschied sich Sherriff für eine Erweiterung der Produktionskapazitäten, ein Teil der alten Gebäude mussten weichen und es entstand ein vierstöckiger Neubau direkt an der Straße. Im Jahr 1905 wurde dann die Mälzerei ausgebaut und mehre neue Lagerhäuser entstanden, darunter ein weiteres in der nahe gelegenen Saddell Street, welches 4.000 Fässer fasste und damit das größte Lagerhaus in Campbeltown darstellte. Dann folgten noch zwei größere Stills mit einer Kapazität von 5.000 Gallonen (Wash) und 4.000 Gallonen (Spirit).

Die folgenden Aufnahmen stammen alle aus einer im Trove.Scot-Archiv (früher Canmore) abgelegten Sammlung, ein Bild zeigt eine Jahreszahl, daher vermute ich bei allen Aufnahmen das Jahr 1897, sprich zwei Jahre nach dem Verkauf an John B. Sherriff. Das erste historische Foto ist jedoch mit dem Jahr 1880 versehen, das wiederum passt weder zum Bericht Barnards noch zu alten Karten der Stadt - dieser Neubau hier wird zwischen 1895 und 1900 entstanden sein, vermutlich war er bereits 1897 fertiggestellt.

Alle Bilder: © Licensed by Scottish Life Archive (Records of the Scottish Cultural Resources Access Network (SCRAN), Edinburgh, Scotland) 


Aber weiter in der Geschichte.

1920 erwarb die Benmore Distilleries Company die Brennerei und modernisierte sie weiter, auch die Produktion wurde weiter gesteigert. Die Gerste kam damals via Lastwagen vom Kai zur Brennerei, demnach wurde sie mit dem Schiff angeliefert.

Der Bericht im Buch „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ beschreibt 1923 eine moderne Mälzerei über vier Stockwerke, die alle jeweils unterschiedliche Produktionsschritte vorhalten. Anschließend wird das fertige Malz via Förderband in das Malzlager transportiert und von da aus ging es dann weiter in den oberen Mühlenraum, wo zwei neue „Boby“ Mühlen arbeiten. Wöchentlich gingen „1.450 Bushel“ Gerstenmalz in die Produktion, das wären nach heutiger Umrechnung etwas mehr als 22 Tonnen gemälzte Gerste. Was alte Maßeinheiten angeht bin ich aber richtig schlecht…man möge mich korrigieren.

Es standen 1923 insgesamt acht Washbacks mit einer Gesamtkapazität von 60.000 Gallonen zur Verfügung, die Gärdauer betrug damals nur 30 Stunden. Die Wash Still hat nun eine Größe von 9.000 Gallonen und scheinbar war es in Campbeltown immer wichtig, irgendetwas zu haben, was größer als in den anderen Brennereien war. Denn auch diese Brennblase wird als die damals größte Wash Still in Campbeltown bezeichnet.

Und dann endet schon der Bericht - die Fotos sind leider winzig und nur wenige Zentimeter groß, zwei habe ich daher versucht mit KI zu restaurieren. Im Sinne des Urhebers stelle ich das Original selbstverständlich daneben - faktisch sind es Ki-generierte Imitationen und neu erstellte Bilder.

Das Original links: British Library, Zuletzt im Reprint "The Distilleries of Great Britain and Ireland" von James Eadie

Das Original links: British Library, Zuletzt im Reprint "The Distilleries of Great Britain and Ireland" von James Eadie

Im Jahr 1928 war dann Schluss, die Produktion wurde eingestellt. Heute steht dort auf dem Gelände ein Supermarkt. In Google Street View sehen wir in dieser Perspektive genau auf das ehemals imposante, vierstöckige Gebäude. Teile des heutigen Supermarkt-Parkplatzes gehörten damals schon zu Hazleburn. Wer sich das hier bei Google Street View oder vor Ort anschauen möchte, beachte das Dach des Supermarktes. Es soll an die Brennerei erinnern. Link: https://maps.app.goo.gl/jb8RfjrWQvgf58P19

 
 
 
 
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