notesofmalt.com
Tastingnotes & Whiskyblog

Glen Scotia 

Glen Scotia, Campbeltown, High Street
1832 bis heute

Glen Scotia ist bereits 1832 in gegründet worden, quasi mitten in der Boom-Phase der legalisierten Whiskybrennereien der Stadt. Ort der Brennerei wurde ein Grundstück an der High Street in Dalintober. Anfangs war nur Lochruan der direkte Nachbar, später zog auch Dalintober noch auf das Gelände zwischen Kinloch Park und High Street. Die Gründer waren James Stewart, John Galbraith, James Napier, William Galbraith und John Colville.

Die Bedeutung des Namens Glen Scotia ist quasi „Tal der Schotten“, gegründet wurde die Brennei jedoch einfach nur als Scotia Distillery und trug diesen Namen für 106 Jahre. Den Zusatz Glen erhielt sie erst um 1938. Statt einem erfundenem Tal vermute ich den Bezug des ursprünglichen Names eher woanders.

Denkbar wäre damals der Bezug auf Scotia (oder Scota) aus der keltischen Mythologie, Töchter zweier ägyptischer Pharaonen. Die Schreibweise Scotia steht mythologisch mit der Tochter eines ägyptischen Pharaos mit dem Namen Cingris in Verbindung. Ihr Sohn Goidel Glas gilt als Stammvater des gälischen Volkes und Schöpfer der goidelischen Sprachen, was auch das heute noch gesprochene schottisch-gälisch umfasst. Die andere Scota war Tochter des Pharaos „Nectanebus“, ihre Söhne sollen Irland besiedelt haben.

Hier sehen wir zwei Kartenauschnitte, die erste ist von 1865. Die zweite Karte zeigt auch die mittlerweile benachbarte Dalintober Distillery, die sich auf diesem Grundstück deutlich vergrößerte. Auch sieht man die Unterschiede am südlichen Ende. Früher war der Kinloch Park noch Marschland und regelmäßig überflutet, das Gelände wurde trockengelegt, Straßen und der Park entstanden - und Dalintober wuchs mit Campbeltown stärker zusammen. 

Alfred Barnard besuchte Scotia im Jahr 1885 und damit 12 Jahre vor der Modernisierung bzw. dem teilweisen Neubau. Er beschreibt altmodische Gebäude mit etwas abwegigem Aussehen, die Anordnung ist so, dass sich die dunkle Kunst der Whiskyherstellung gut verstecken ließe. Wie damals üblich sammelten sich die einzelnen Gebäude um einen Innenhof. Es gab drei Getreidelager, drei Malt Barns und drei Kilns mit perforierten Fliesen. Zum Trocknen des Malzes wurde dem Torf eine kleine Menge Kohle beigemischt. Ansonsten gab es die übliche Ausstattung mit Mühle, Mash Tun und sechs Washbacks zu je 4.306 Gallonen. Im Still House produzierten drei eher kleine Kupferbrennblasen mit einer Kapazität von 1.640, 850 und 520 Gallonen. Zudem stand eine 8-PS Dampfmaschine zur Verfügung. Die sieben Lagerhäuser waren mit 1.700 Fässern gut gefüllt. Scotia bezog ihr Wasser aus dem Crosshill Loch, zudem gab es auch zwei Brunnen zur Frischwasserversorgung. Scotia war 1885 in der Lage bis zu 85.000 Gallonen im Jahr zu produzieren. Der Whisky wurde als Campbeltown Malt gehandelt.

1891 erwarb Duncan MacCallum das Unternehmen, er besaß auch bereits die Glen Nevis Distillery in Campbeltown.

Im Jahr 1892 entstand ein neues Lagerhaus, 1897 gingen die Ausbauarbeiten dann weiter. Im April 1887 findet sich eine Meldung für umfangreiche Erweiterungen der Scotia Distillery, eine neue Mälzerei und Lagerhäuser entstehen an der High Street. Auch wird die Fassade zur Straße hin erwähnt. In einem Zeitungsbericht vom 1. Oktober 1898 wird die kurz bevorstehende Fertigstellung gemeldet, hier erfährt man dann auch mehr Details. Das neue Gebäude böte einen imposanten Anblick und hätte mehrere Stockwerke, die beiden untern würden als Zolllager genutzt und die oberen als Teil der Mälzerei und Getreidespeicher. Später findet sich die Nachricht, dass die Brennerei in Gänze neu errichtet worden sein soll, ich würde eher von einer grundlegenden Modernisierung und einem Teilneubau sprechen. Zumindest mussten einzelne Gebäude weichen, andere wurden integriert oder erweitert.

Einige Jahre später kann man einen Bericht finden, dass die Brennerei zwar grundlegend erneuert wurde, aber man Angst vor einem Qualitätsverlust hatte - entgegen des Trends hielt man daher an den drei kleinen Brennblasen fest.

1887 Essex Standard

Eine lustige Anekdote ist dann diese Werbeanzeige aus dem Jahr 1897. Hier wirbt ein Wein- und Spirituosenhändler aus England mit mehreren Zeitungsanzeigen für Scotia Whisky als „fine old Highland Whiskey, Unblended“ aus der Scotia Distillery. Spannend finde ich hier dreierlei. Von Barnard wissen wir, dass der Whisky als Campbeltown Malt gehandelt wurde. Auch interessant finde ich die Betonung „Unblended“, was in der Werbeanzeige wohl als Qualitätsmerkmal herausgestellt werden sollte. Und dann fällt natürlich noch die Schreibweise des Wortes Whisk(e)y auf. Na gut, auch heute trifft man noch auf solche Händler.

Im Jahr 1919 brachte Duncan MacCallum die Brennerei dann in das neue Unternehmen West Highland Malt Distilleries Ltd. ein, dessen Manger er selbst war. Das Unternehmen wurde auf Grund der wirtschaftlichen Situation 1923 abgewickelt, Scotia stand zum Verkauf. Duncan MacCallum erwarb sie erneut und wurde wieder Inhaber von Scotia.

Am 14. April 1924 entstand ein Bericht für das „The Wine and Spirit Trade Record“, er wurde auch im Reprint The Distilleries of Great Britain and Ireland von James Eadie abgedruckt. Zumindest zahlenmäßig hat sich zum Text von Barnard bezogen auf die Mälzerei nichts geändert, drei Getreidespeicher, drei Malt Barns, drei Kilns. Es gab nun sechs neue Washbacks zu je 6.000 Gallonen, eine größere 12-PS Dampfmaschine und die drei kleinen Brennblasen mussten weichen. Scotia hatte 1924 zwei deutlich größere Stills mit 2.600 Gallonen (Wash Still) und 1.900 Gallonen (Spirit Still). Der Whisky liegt weiterhin in den sieben Lagerhäusern, die wöchentliche Produktionskapazität lag bei 2.800 Gallonen (proof Gallons). Und dann sind da noch zwei tolle Fotografien aus dem Jahr 1924.

British Library, zuletzt im Reprint The Distilleries of GB and Ireland reproduziert. In Kontrast und Schärfe nachgearbeitet. 

Die Unternehmensverhältnisse sind in den Folgejahren nicht ganz gesichert. Es gibt Hinweise, dass die Brennerei an James Buchanan verpachtet wurde oder zumindest ein Vertragsverhältnis zur Produktion bestand. 

Im Alter von 71 Jahren wählte Duncan MacCallum den Freitod, er wurde am 23. Dezember 1930 am Ufer des Crosshill Loch gefunden.

Ende 1933 berichteten Zeitungen vom Verkauf der Brennerei an die Gebrüder Bloch aus Glasgow. Bereits wenige Wochen später berichtet der Campbeltown Courier von einer Kohlelieferung, die in Kürze für die Scotia Distillery erwartet wird. Zuvor war die Brennerei mehrere Jahre geschlossen und steht nun vor der Wiederaufnahme der Produktion. Es dauerte dann doch wohl noch etwas länger, denn erst im Dezember 1935 kündigt der „The Scotsman“ die Produktionsaufnahme durch die Gebrüder Bloch für Januar 1936 an. Auch spannend: Zu diesem Zeitpunkt soll überhaupt keine aktive Brennerei mehr in Campbeltown bestanden haben. Ende Dezember folgt dann die Ankündigung, dass auch Springbank nach fünf Jahren der Stilllegung in Kürze wieder starten möchte.

Im März 1937 liefert dann die S.S. Edern über den Hafen Campbeltown 450 Tonnen Gerstenmalz für die Scotia Distillery. 

Übrigens gibt es die Brennerei nun seit 105 Jahren und sie heißt immer noch Scotia und noch nicht Glen Scotia. Den ersten Hinweis überhaupt finde ich dann im Jahr 1938, der wohl auf eine Pressemeldung der Gebrüder Bloch zurückgeht. Ab jetzt heißt sie auch in den Folgejahren immer Glen Scotia. Gründe für die Umbenennung finde ich nicht, sie werden wohl aber im Marketing liegen.

Am 14. Oktober 1940 wird verkündet, dass die Gebrüder Bloch auch die stillgelegte Glengyle Distillery übernehmen und wieder in Betrieb setzen wollen. Dazu wird es jedoch auf Grund des kriegsbedingten Destillierverbots nicht mehr kommen, auch Glen Scotia muss seine Produktion spätestens 1942 einstellen, im Januar 1945 wird die zeitnahe Wiederaufnahme angekündigt.

Am 15. Oktober 1954 wird Glen Scotia dann durch das Unternemen Hiram Walker & Sons Ltd. übernommen, nur um kurze Zeit später an das Unternehmen A. Gillies & Co. verkauft zu werden, an welchem wiederum Sir Maurice Bloch beteiligt war. Sein neues Unternehmen erwarb neben der Brennerei Glen Scotia auch die Lagerhäuser von Glen Nevis und Ardlussa.Man kann sagen, dass Glen Scotia auf Verschleiß gefahren wurde, zumindest war sie wohl in keinem guten Zustand, als das Unternehmen Amalgamated Distilled Products (ADP) im Jahr 1970 die Firma A. Gillies und damit auch die Brennerei erwarb. Es folgte eine erste Sanierungsphase, die bis ins Jahr 1977 andauerte und 500.000 Pfund kostete, im Frühjahr 1977 wurde Glen Scotia wiedereröffnet.

Im "The Scotsman" vom 6. Juli 1983 findet sich die Meldung, dass Loch Lomond und Littlemill wiedereröffnet wurden. Und Glen Scotia weiter in Betrieb ist, jedoch nicht in Vollauslastung. Glen Scotia soll zu diesem Zeitpunkt der best verkaufteste Whisky in Japan sein.

In den Folgejahren sind die Eigentumsverhältnisse je nach Quelle etwas verwirrend, ADP taucht in etlichen Wirtschaftsnachrichten auf und der Konzern ist Spieler sowie Spielball internationaler Finanzgeschäfte. In einem Artikel von 1983 wird Glen Scotia bereits mit Barton Brands genannt, anderen Quellen nach wurde die Brennerei erst 1987 an das Unternehmen Barton International Ltd. verkauft.

Zwischen 1984 und 1989 ruhte die Produktion, 1994 wurde Insolvenz angemeldet und abermals stillgelegt. Anschließend ging die Brennerei an das Unternehme Glen Catrine Bonded Warehouse. Diese waren damals als Abfüller unterwegs und ich wage zu behaupten, dass es zum damaligen Zeitpunkt ausschließlich um die Lagerbestände ging. Man erkannte jedoch frühzeitig das Potential der Brennerei, im Jahr 2000 wurde Glen Scotia dann wiedereröffnet. Heute ist sie Teil der der Loch Lomond Group.


Frühere Tastingnotes 

Glen Scotia Double Cask46% alc  Ausbau: Amerikanische Eiche, Nachgereift in PX-Sherryfässern

Nase: Fruchtig, Himbeeren, etwas Erdbeermarmelade, Gewürze und feuchte Erde. Dahinter kommen Schießpulver und eine leichte Säure. 

Gaumen: Getreidenoten insbesondere Hafer, dazu Süße von Weintrauben, Trockenpflaumen und ganz entfernt Süßholz. Ganz harmonisch gesellt sich eine leichte Rauchnote dazu.

Abgang: Kurzweilig, süß leicht würzig mit einem eleganten Hauch Eiche. 

Fazit: Ein guter Einstieg in die Welt der Glen Scotia - wenn auch ohne Altersangabe. 81/100 Punkte (2021)


Glen Scotia Victoriana, 51,5% alc. Originalabfüllung (2015). Ausbau: Bourbonfässer, „charred Oak casks“

Hintergrundbild: Hanseatische Weinhandelsgesellschaft mbH & Co. KG

Nase: Apfelkuchen mit Zimt und angebrannter Haferbrei, einiges an Malz und etwas Karamell. Dazu Erdbeerjoghurt und gesalzene Erdnüsse, auch ein wenig Marzipan, Tabak und Schuhcreme sind zu finden.

Gaumen: Kräftig und angenehm würzig, leicht prickelnd. Wieder der Haferbrei, dazu frisches Karamell und einiges an Kaffee. Warmer Apfelstrudel mit Vanillesauce. Außerdem finde ich hier eine angenehm spritzige Zitronensüße und etwas Schokoladenmilch.

Abgang: Lang und sehr trocken, wieder viel Karamell und einiges an Eichenholz. Zimt, Brombeermarmelade, Zitrusfrüchte und ein Hauch Menthol.

Fazit: Glen Scotia in Fassstärke. Kein Whisky für Anfänger, dafür aber ein richtig Guter! 86/100 Punkte (2021)


Glen Scotia Campbeltown Malts Festival 2021, 10 Jahre, 56,1% alc.

Nase: Himbeeren, gezuckerte Erdbeeren mit Schlagsahne, unreife Pflaumen, säuerliche Kirschen - ein Furchtcocktail im ersten Anflug. Dahinter kommen gut eingebundene Gewürze mit einem Hauch Zimt und Anisbonbons. Etwas Tabak und Leder runden das ganze ab.

Gaumen: Hier schlägt die Alkoholstärke zu. Die Aromen der Nase werden wiedergegeben, aber hochkonzentriert. Neben den Früchten und Gewürzen kommt eine angenehme Bitterkeit von Kaffee und Kakao und einiges an Säure dazu. Dazu Meersalz.

Abgang: Lang, würzig und mit viel getrockneten Früchten in Zartbitterschokolade sowie einiges an Tabak. Zum Ende bleibt eine säuerliche Fruchtnote.

Fazit: Harmonisch ist er nicht, aber Spaß macht er. Aus meiner Sicht eine gelungene Festival-Abfüllung. 84/100 Punkte (2021)


Glen Scotia 15 Jahre, 46% alc, Ausbau: Amerikanische EicheNase: Süß und fruchtig, sehr elegant. Mandarinen, getrocknete Aprikosen und Honig und eine angenehme Würze vom Eichenholz. Mit etwas Zeit wird die Frucht reifer, Kirschen kommen dazu, Orangenschale, begleitet von einer angenehmen Portion Rauch.

Gaumen: Spannen, hier kämpfen die Aromen über die Oberhand. Auf der einen Seite die starken Fruchtaromen und auf der anderen Seite eine starke Gewürzfraktion. Anis, Zimt und Nelkenken ringen mit Orangen, Trockenpflaumen und Rosinen um die Vorherrschaft. Danach folgten trockene Kekse mit einer leichten Vanillesüße und Pfeffer.

Abgang: Mittellang bis lang, dominiert von Blutorangen und einer leichten Pfeffernote. 

Fazit: Positiv überrascht. Ein 15-Jähriger Glen Scotia der Core-Range, der sich wirklich sehen kann. Ein Preis-Leistungssieger ist er sowieso. 85/100 Punkte (2021)


Foto: dalydram.de

Glen Scotia 1992-2015, 53,6% alc. Abfüller: Liquid Treasures Ausbau: Bourbonfass (Hogshead) Region: Campbeltown, Schottland

Nase: Eigenwillig und aromatisch - um es erst einmal vorsichtig auszudrücken. Je länger ich rieche, desto mehr mag ich ihn. Die erste Assoziation war: Faule Eier mit Torfrauch, dann eher Eierlikör, Vanillecreme, Karamellkekse und Getreide. Zarte Torfraucharomen, Müsli und verbranntes Roggenbrot. 

Gaumen: Kräftig und vom Alkohol getragen, die Aromen der Nase bestätigen sich etwas, der Fokus liegt vor allem auf den Torfraucharomen und bitteren Röstzwiebeln, zudem ist einiges an Malz vorhanden. Dahinter kommen Meersalz und Seetang hinzu. 

Abgang: Mittellang bis lang, gar nicht mehr so kräftig. Der Torfrauch gerät in den Hintergrund, die Karamell- und Vanillearomen zeigen sich wieder. 

Fazit: Ein Wechselspiel in einem sehr interessanten Stil, sollte man vor dem Kauf probieren. 86/100 Punkte (2015) Ich danke dailydram.de für Probe und Foto!


 

Glen Scotia 1999-2014, 15 Jahre, 58,7% alc.  Abfüller: Cadenhead's Ausbau: SherryfassRegion: Campbeltown, Schottland

Nase: Nougatcreme, gesalzene Mandeln und frisch geriebene Walnuss. Dahinter Rosinen, Sandelholz und ein Hauch von Leder. 

Gaumen: Sehr trocken, sehr stark - aber ohne alkoholisch zu wirken, da die Süße direkt auf die Trockenheit folgt. Honig, Zuckercreme, leicht würzig mit Zimt und Muskat, zudem schon ein schönes Eichenholzaroma. Im Hintergrund findet sich eine leichte Säure.

Abgang: Nach dem Gaumen wirkt der Abgang fast schon sanft mit einer angenehmen Mischung aus Süße, Würze und Trockenheit. 

Fazit: Wunderbarer Glen Scotia, mir hat er sehr gefallen. 87/100 Punkte (verkostet 2016)





 
 
 
 
E-Mail
Instagram