Benmore
Benmore, Campbeltown, Saddell Street1868 - 1936
Die Brennerei Benmore ist verhältnismäßig spät gebaut worden, zumindest für die damaligen Verhältnisse in Campbeltown. Erst 1868 entstand die Brennerei direkt an der Saddell Street, in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Highland Distillery und zur Brennerei Kintyre. Ein paar Meter südlich, am Ende der kurzen Saddell Street, fand man die Lochhead Distillery. Gleich auf der anderen Seite der Saddell Street erstreckte sich ein weiterer Block mit bedeutenden Brennereien. Nördlich des Kinloch Parks im Karree Saddel / High und Princess Street produzierten (Glen) Scotia, Dalintober und Lochruan.
Das Gründungsunternehmen hieß Bulloch, Lade & Co., welches 1896 in eine Limited umgewandelt wurde. Hier ein Kartenausschnitt von 1898. Da die Beschriftung etwas täuscht, habe ich den Komplex noch einmal markiert.
Alfred Barnard besuchte Benmore im Jahr 1885, die Beschreibung ist recht umfangreich, bezieht sich aber auch auf die Landschaft rund um Kinloch Park. Er nennt zudem den Ort westlich der Brennerei „Dalruhadhain“, eine sehr alten Bezeichnung eines Teils von Campbeltown. Barnard bezeichnet Dalruahdhain als uralte Hauptstadt Schottlands, wo sich Könige und Höflinge versammelten. Aber zurück zur Brennerei.
Im Bericht findet sich die Angabe, dass Benmore die erste von drei neuen Brennereien war. Sie umfasse unter anderem ein großes quadratischen Gebäude sowie einen schönen Innenhof und einen besonders hohen Schornstein. Die Malzscheune soll wohl zu dem Zeitpunkt die größte in Campbeltown sein und ist mit einem Betonboden ausgestattet. Er beschreibt die technischen Details der Mälzerei und wie das Malz dann anschließend zur Mühle gelangt. In der Mash Tun werden dann 400 Scheffel mit Hilfe eines von Dampf bewegten Drehgetriebes verarbeitet. Übrigens dürfte ein Scheffel ungefähr 62 Kilogramm Malz gewesen sein. Im nächsten Schritt stehen 6 Washbacks für je 5.400 Gallonen zur Verfügung. Im Still Room gibt es zwei Brennblasen, eine mit 1.200 Gallonen und die andere mit 2.500 Gallonen Kapazität.
Insgesamt gibt es vier Lagerhäuser, die damals knapp 3.000 Fässer enthielten. Zuletzt betont er noch einmal den modernen Aufbau, Benmore hat nur eine einzige Pumpe und die Produktionsschritte sind über die Gebäude von oben nach unten aufgebaut, so dass Ressourcen, Zwischenprodukte und Abfälle mittels der Gravitation transportiert werden. Auch soll Benmore in Sachen Brandschutz sehr modern gewesen ein. Leider gab es keine Zeichnung, aber zum Bildmaterial komme ich noch später.
Im Jahr 1920 wurde Benmore an das Unternehmen "Benmore Distilleries Ltd." aus Glasgow verkauft, welches dann die Brennereien Lochindaal (Islay), die benachbarte Lochhead (Campbeltown), Dallas Dhu und Benmore besaß.
Aus dem Jahr 1923 gibt es ein Bericht im Reprint "The Distilleries of Great Britain and Scotland", zuletzt erneut von veröffentlicht durch James Eadie. Der Bericht bezieht sich auch auf Alfred Barnard, daher gebe ich nur die technischen Details wieder. Auch hier wird eine besonders moderne Brennerei und akribische Sorgfalt betont, um am Ende ein hochwertiges Produkt zu gewährleisten. Die Gerste kommt per Schiff und wird vom Kai via Lastwagen angeliefert. Die Keimzeit der Gerste variiert zwischen 40 und 70 Stunden, im nächsten Abschnitt wird der Vorgang des Mälzens genau beschrieben. Zum Trocknen wird Kohle und Torf verwendet, der besonders langsame Trocknungsprozess wird betont, um möglichst viel Stärke in Zucker umzuwandeln. Anschließend wird das Malz zwei bis drei Wochen lang eingelagert, dann gemahlen und gemaischt. 1.250 bushel Gerstenmalz jede Woche. Die Brennblasen haben sich in Größe und Form seit dem Jahr 1885 nicht geändert.
Ergänzen muss ich noch, dass der Bericht anfangs Benmore als Teil der "neuen Schule" bezeichnet, während veraltete Brennereien, teilweise noch aus den Zeiten des Whiskyschmuggels, langsam verschwinden. Denn 1923 sind schon ein paar Campbeltown-Brennereien stillgelegt worden, darunter die direkt benachbarte Kintyre Distillery. Vielleicht hatte der Autor einen falschen Eindruck von der gesamtwirtschaftlichen Lage des Whiskymarktes, denn 1927 wurde auch Benmore stillgelegt.
Das folgende Bild ist aus dem Jahre 1923 - weitere finden sich im besagten Reprint.
Eigentlich müsste ich hier schon enden, der offizielle Schluss wird in den meisten Quellen aber erst mit 1936 angegeben. Das hat damit zu tun, dass die stillgelegte Brennerei im Jahr 1929 noch einmal den Eigentümer wechselte und zu DCL kam, sie wurde aber nie wieder in Betrieb genommen. 1936 wurde dann das Grundstück verkauft.
Von Prof. Hume finden sich noch Bilder aus dem Jahre 1971, das Gelände wird hier mittlerweile als Bus-Depot genutzt (BenMhor Bus Depot). Alle drei Aufnahmen nur für nicht-kommerzielle Zwecke nutzbar.
© Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland)
Von Benmore sind noch einige Gebäude erhalten, wer wer sich diese anschauen möchte, orientiert sich an diesem Punkt in Google Street View: https://maps.app.goo.gl/DaRsNAR9CmeZGDjA7 sowie an der später entstandenen Benmore Street.
Und zuletzt ein Ritt durch 100 Jahre Tageszeitungen. Meine Recherche hier zeigt vor allem einiges Engagement im Vertrieb, denn ab dem Jahr 1869 finden sich jede Menge Werbeanzeigen. Ich nehme hier mal aber eine spätere Version von 1897.
Und zählt vielleicht doch das Alter? In der Ausgabe des irischen "Whiskey Trade Review" vom 2. April 1895 wird das Unternehmen Bulloch, Lade & Co. mit ihrem speziellen, sehr alten Highland Whisky für den Export vorgestellt. Zum Unternehmen gehören die Loch Katrine Distillery (Camlachie, Glasgow), Caol Ila (Islay) und Benmore. Der Whisky sei 10 Jahre alt und wird in 6 Flaschen je Gallone abgefüllt, zwölf Flaschen je Kiste zu zwei Gallonen. Es sind Standardflaschen mit goldenem Etikett und passender Kapsel. Weitere Abfüllungen seien nur zum Export bestimmt: gelbes Etikett und Kapsel (8 Jahre), weißes Etikett (7 Jahre) und blaues Etikett (5 Jahre).
Es wurde auch verkostet:
„Beim sorgfältigen Betrachten dieser Probe wundert es kaum, warum schottischer Whisky in Amerika, den Kolonien und Indien so modern geworden ist. Viele schottische Whiskys, die wir kennengelernt haben, könnten aufgrund ihres angenehmen und gefälligen Geschmacks zu Recht als „Schottlands Likör“ bezeichnet werden. Es ist das erste Mal, dass wir die Exportmarke dieses Hauses verkostet haben, und wir können wahrhaftig sagen, dass darin alles zu finden ist, was man sich von einem Scotch Whisky nur wünschen kann.“
Und weiter (möglichst nah am original übersetzt):
„Die Herren Bulloch, Lade & Co. führen eine sechzigseitige, künstlerisch illustrierte Broschüre, die ihre Brennereien und Zolllager erklärt. Diese sollte in den Händen all unserer Freunde in den Kolonien und im Ausland sein. Diese Lektüre wird fast jeden Mann zu seinem eigenen Brenner machen – mit dem einzigen Unterschied, dass er nicht Loch Katrine, Benmore oder Caol Ila besitzen wird, drei der besten Whisky-Produzenten Schottlands.“





