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Ardlussa 

Ardlussa, Campbeltown, Glebe Street (1879 - 1927, 1923 stillgelegt)

Die Glebe Street in Campbeltown ist auch mal so eine reine Whiskystraße gewesen, auf beiden Seiten von ihr sind über die Jahre viele Brennereien entstanden und wieder verschwunden, ein Name ist heute noch weltweit bekannt: Springbank. 

Auf der westlichen Seite der Glebe Street waren Ardlussa und Glen Nevis, östlich zwischen Glebe Street und Longrow fanden sich Springbank, die Campbeltown Distillery, Rieclachan, Glengyle und die Longrow Distillery, weiter südlich Springside. Weitere Brennereien waren in wenigen Gehminuten erreichbar.

Gegründet wurde Ardlussa als Ardlussa Distillery Co. von James Ferguson, der auch Inhaber der Craighouse Distillery auf der Isle of Jura war, ich denke da kommt auch der Name her, denn Ardlussa ist ein Stück Land auf Jura. 

Die Brennerei muss in den Jahren 1878 und 1879 erbaut worden sein, im September 1879 verkündet der Campbeltown Courier die Fertigstellung, demnach wurde am 4. September 1879 die erste Gerste eingemaischt und damit die Produktion aufgenommen. Übrigens war dies laut der Zeitung der 22. Betrieb dieser Art und bei Vollauslastung sollen alle Brennereien jede Woche fast 230.000 Liter Spirit produzieren können.

Hier sehen wir Versicherungsplan des Jahres 1898 der Stadt - die einzelnen Gebäude sind sehr gut zu erkennen. Daneben ist ein Kartenausschnitt von 1914. 

1885 besuchte und beschrieb Alfred Barnard die Brennerei, wie immer folgte er dabei den Produktionsabschnitten. Die Mälzerei war fast 12 Meter hoch und in mehrere Stockwerke unterteilt, die Produktion lief vom Getreidespeicher ganz oben über die Steeps auf die Malzböden aus Beton und anschließend wird das Malz auf perforieren Fliesen ausgelegt und getrocknet. Die Mash Tun ist aus Metall und 1,80m tief, anschließend stehen sechs Washbacks mit je 8.200 Gallonen zur Verfügung. Das Still House wird als besonders prächtig beschrieben, die große Wash Still hat eine Kapazität von 18.000 Gallonen. (*) und wird mit Dampf beheizt, die Spirit Still ist mit ihren 3.560 Gallonen deutlich kleiner und braucht noch ein echtes Feuer. Zwei große Lagerhäuser beherbergten zum Zeitpunkt des Besuchs 18.000 Fässer. Der Whisky wird als Campbeltown Malt bezeichnet und die Jahresproduktion lag 1885 bei 118.000 Gallonen, das sind mehr als 536.000 Liter.

Ein wenig überraschend sind zwei vollkommen abweichende Angaben. Alfred Barnard schreibt 1885 von einer Wash Still mit 18.000 Gallonen und einer Spirit Still von 3.560 Gallonen - sechs Jahre zuvor waren die Stills laut Campbeltown Courier im Herbst 1879 noch deutlich kleiner, dort sind diese 3.200 Gallonen (Wash) und 1.800 Gallonen (Spirit) groß, was eher der Zeit entspricht. Einerseits kann es sich um einen Fehler in der Berichterstattung Barnards oder der Zeitung handeln, andererseits musst du 18.000 Fässer in sechs Jahren auch erst einmal füllen. Aber da haben wir sie wieder, die ominöse Zahl 18.000. 

Persönliche Anmerkung: Die Angabe von Barnard ist muss falsch sein. Kurz zuvor hat er Hazelburn besucht, welche zu diesem Zeitpunkt mit 7.000 Gallonen die größte Washstill in ganz Campbeltown hatte (Don't drink and write!). 

Obwohl man die Brennerei erst in den Jahren 1926/1927 abwickelte wurde, wird sie nicht mehr im Werk „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ genannt. Ardlussa wurde spätestens 1923 stillgelegt, die meisten Brennereibesuche für das Buch haben erst 1923 oder später stattgefunden.

Ein bisschen was findet sich noch in den Zeitungen, unter anderem wird regelmäßig verkündet, was im Hafen von Campbeltown an Gütern ankommt. So erfährt man die Mengen an Gerste für Ardlussa. Am 4. Oktober 1879 liefert die „Dryad“ 80 Tonnen Gerste aus Grennock, am 11. Oktober sind es noch einmal 76 Tonnen aus Glasgow, am 15. November 1879 kommen mit der Doras 90 Tonnen Gerste aus Invergordon.

Spannend übrigens wenn bei heutigen Debatte des „Terroirs“ schottischen Whiskies auch die Gerste eine Rolle spielt. In der Meldung kommen 150 Tonnen Gerste mit der „Boy“ für die David Colville & Co Brennereien (Dalaruan, Dalintober) aus St. Malo in Frankreich und zudem erhalten mehrere Abnehmer noch einmal 920 Tonnen Gerste aus Aarhus in Dänemark. Im März 1881 wird Ardlussa mit 153 Tonnen französischer Gerste aus Caen beliefert.

Die beiden von Barnard beschriebene Lagerhäuser mit ihren 18.000 Fässern reichten wohl nicht aus, denn 1893 suchte die Brennerei Auftragnehmer für Tischler- und Dacharbeiten an einem neuen Lagerhaus, welches direkt an der Brennerei entstehen soll.

Und leider stoße ich auch bei Ardlussa auf einen schweren Arbeitsunfall. Am 20. Dezember 1899 verfängt sich der Arbeitskittel des Mashman William Rodger in der Getreidemühle, die er gerade beaufsichtigt. Er erlitt schwere Quetschungen im Walzengestell, wenige Stunden später verstarb er im Cottage Hospital. 1895 wurde übrigens ein Gesetz zur Untersuchung von tödlichen Arbeitsunfällen erlassen, daher gab es am 11. Januar 1900 eine öffentliche Anhörung und Untersuchung des Vorfalls.

Am Samstag den 5. Januar 1924 erscheint eine Verkaufsanzeige im Campbeltown Courier, Ardlussa wird als „teilausgestattete“ Brennerei zum Verkauf angeboten, in der gleichen Anzeige stehen auch Glengyle und Glen Nevis zum Verkauf.

Exakt hier würden wir auf die ehemalige Brennerei schauen…drehen wir uns um, dann sehen wir die Rückseite von Springbank - Google Street View: https://maps.app.goo.gl/7ZLrNtNkTnjYsGWY6

 
 
 
 
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