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Finnieston - Die Geschichte 

Finnieston Distillery, 1824 bis 1827 , Finnieston Street, Glasgow

Im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich Glasgow zu einem der bedeutendsten Handels- und Industriezentren Schottlands. Entlang des Clyde entstanden neue Gewerbebetriebe, Lagerhäuser und Fabriken. Auch Brauereien und Whiskybrennereien profitierten von der wachsenden Stadt und ihren Handelsverbindungen.

Finnieston – ein neuer Stadtteil am Clyde

Finnieston lag westlich des damaligen Glasgower Stadtzentrums am nördlichen Ufer des Clyde. Die Siedlung war 1768 auf dem Landbesitz von John Orr entstanden, dem Eigentümer von Stobcross House. Ihren Namen erhielt sie wohl nach John Finnie, dem Hauslehrer von Orrs Sohn. Mit der Ausdehnung Glasgows entwickelte sich die Umgebung zunehmend zu einem Standort für Gewerbe und Industrie. Die Nähe zum Fluss erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren. Für Brauereien und Brennereien bot der Standort günstige Voraussetzungen.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Familie Connal im Glasgower Brauereigewerbe vertreten. Im Glasgower Adressbuch von 1814 erscheint ein John Connal als Brauer der Greenhead Brewery. Ob dieser Eintrag bereits unseren späteren Betreiber der Finnieston Brewery bezeichnet, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch. Spätestens im März 1820 ist die Verbindung jedoch eindeutig: Eine zeitgenössische Anzeige nennt John Connal & Co. als Betreiber der Finnieston Brewery. Bestellungen konnten unter der Adresse 84 Trongate in Glasgow aufgegeben werden. Damit ist die Brauerei mehrere Jahre vor der ersten sicheren Erwähnung der Whiskybrennerei nachgewiesen.

Von der Brauerei zur Whiskybrennerei

Nach der Darstellung von John R. Hume und Michael S. Moss in The Making of Scotch Whisky entstand die Finnieston Distillery um 1824 durch den Umbau einer Brauerei der Familie Connal. Als Betreiber der Brennerei nennen sie Ebenezer Connal & Co. 

Das Glasgower Adressbuch von 1825/26 bestätigt die Existenz der Brennerei. Es führt Ebenezer Connal & Co. mit der Finnieston Distillery und einer Geschäftsadresse in der Argyll Street auf. Gleichzeitig erscheint jedoch weiterhin John Connal & Co. als Betreiber der Finnieston Brewery.
Dieser Umstand lässt zumindest die Möglichkeit offen, dass Brauerei und Brennerei zeitweise nebeneinander bestanden oder als getrennte Betriebsteile geführt wurden. Die verbreitete Darstellung eines vollständigen Umbaus der Brauerei in eine Brennerei ist deshalb nicht abschließend gesichert. Mehr dazu nachher, wenn wir die Brennerei lokalisieren und auf die Karte schauen. Fest steh, dass die Familie Connal spätestens Mitte der 1820er-Jahre sowohl im Brauerei- als auch im Brennereigewerbe tätig war.

Eine ungewöhnlich große Brennerei

Die Verkaufsanzeige vom 1. Januar 1827

Die Größe der Finnieston Distillery erfahren wir aus einer Verkaufsanzeige, die unter anderem im Glasgow Herald im Dezember 1826 und Januar 1827 erschien. Für den 17. Januar 1827 wurde eine öffentliche Versteigerung der Brennerei in den Lyceum Rooms in der Nelson Street angekündigt. Die Anzeige beschrieb das Unternehmen als vollständig eingerichtet und betriebsbereit. Besonders aufschlussreich ist die detaillierte Aufstellung der Anlagen. Die Brennerei verfügte über einen Maischbottich mit einem Durchmesser von 24 Fuß, also rund 7,3 Metern, sowie eine mechanische Maischeinrichtung. Hinzu kamen eine Dampfmaschine, zwei Kessel, Kühlvorrichtungen, zwölf Washbacks und insgesamt fünf Brennblasen. Auch eine große Mälzerei mit zwei Darren sowie Lagerflächen war vorhanden.

Insbesondere die zwölf Washbacks und fünf Brennblasen deuten auf eine Anlage hin, die für eine beträchtliche Produktion ausgelegt war. Die Verwendung einer Dampfmaschine zeigt zudem, dass bei der Einrichtung auf zeitgemäße industrielle Technik gesetzt wurde.
Welche Form und Größe die einzelnen Brennblasen besaßen, ist allerdings nicht überliefert. Auch eine verlässliche Angabe zur jährlichen Produktionsmenge können wir nicht aus der Anzeige erfahren, dafür ziehen wir aber die Papers und Journals des House of Commons heran.

Hume & Moss legten sich bei der Entstehung der Brennerei auf 1824 fest, wir wissen jedoch nicht wann genau im Jahr 1824 der Betrieb aufgenommen wurde. Die offiziellen Steuerlisten decken den gesamten Zeitraum von 1823 bis Oktober 1826 ab und differenzieren leider nicht nach den einzelnen Jahren. Für diesen Zeitraum sind etwas mehr als 109.000 Gallonen (Proof Gallons) Spirit registriert und versteuert worden.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Familie Connal

Trotz der umfangreichen Ausstattung geriet das Unternehmen schon nach kurzer Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im März 1826 wurde über die Insolvenz von J. Connal & Co., Brauer in Finnieston bei Glasgow, berichtet. Für April desselben Jahres wurden Gläubigerversammlungen angekündigt.

Besonders interessant ist ein weiterer Eintrag aus dem Juli 1828. In Perry's Bankrupt Gazette werden John, Ebenezer und Michael Connal gemeinsam als Brauer und Destillateure in Finnieston genannt. Sie hatten im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren die Ausstellung entsprechender Bescheinigungen beantragt. Damit kennen wir drei Männer, die geschäftlich mit dem Unternehmen verbunden waren. Ob es sich bei ihnen um Brüder, Vater und Söhne oder andere Verwandte handelte, geht aus dieser Nachricht nicht hervor.

Noch im Juli 1828 wurde die Finnieston Distillery erneut zum Verkauf oder zur Verpachtung angeboten. Das Ende der Brennerei zog sich offenbar über mehrere Jahre hin. Im Dezember 1832 wurde schließlich der Verkauf von Maschinen, Geräten, einer Dampfmaschine und weiterem Inventar angekündigt. Wegen einer bevorstehenden Wahl wurde die Versteigerung auf den 3. Januar 1833 verschoben. Diese letzte Anzeige deutet auf die endgültige Auflösung der technischen Ausstattung hin.Bereits in den Steuerlisten des Jahres 1828 finde ich die Brennerei nicht mehr, wir müssen also von einer Stilllegung ausgehen. In Folgejahren ist kein Betrieb mehr nachweisbar.

Die Familie Connal

Ebenezer Connal betrieb später eine industrielle Zuckerraffination in Greenock, auch findet man seinen Namen bei Berichten rund um einen Brand im April 1849. Ebenezer Connal starb am 1. Juli 1861 in Lochranza auf der Isle of Arran. Die Todesanzeige bezeichnete ihn als aus Stirling stammend und früher in Greenock ansässig.

John Connal bzw. die Connals hatten zudem eine Verbindung nach Alloa und dort wohl Erfahrungen im Brauereigeschäft. Dort hatte Robert Meiklejohn bereits 1774 eine kommerzielle Brauerei gegründet. Nach mehreren Standortwechseln entstand 1787 die Candleriggs Brewery.
In seiner historischen Untersuchung der Firma berichtet Charles McMaster, dass Robert Meiklejohn kurz nach 1800 einen Geschäftspartner namens Connel aufnahm. Das Unternehmen firmierte daraufhin unter dem Namen Connel, Meiklejohn & Co. Der Vorname dieses Geschäftspartners wird leider nicht genannt. Später wurde die Firma in Robert Meiklejohn & Son umbenannt, nachdem Meiklejohns Sohn James in das Unternehmen eingetreten war. Ein Adressbucheintrag von 1814 belegt bereits den neuen Firmennamen. Der Wechsel muss somit spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgt sein. Für die Verbindung nach Finnieston ist eine Heiratsnachricht besonders interessant: Am 11. Juni 1810 heiratete John Connal eine Margaret Meiklejohn, die Tochter des Brauers Robert Meiklejohn aus Alloa. Diese Eheschließung stellt eine unmittelbare familiäre Verbindung zwischen einem John Connal und der bekannten Alloaer Brauerfamilie her.

Ob der Bräutigam mit dem späteren Betreiber der Finnieston Brewery identisch war, ist allerdings noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Ebenso bleibt offen, ob der frühere Geschäftspartner Robert Meiklejohns John, Michael oder ein anderer Angehöriger der Familie Connal war. Der zeitliche Zusammenhang ist dennoch bemerkenswert: Der Name Connel verschwand spätestens 1814 aus der Alloaer Firmenbezeichnung, während John Connal in den folgenden Jahren als Brauer in Glasgow nachweisbar wird.

Hier ein kurzer Querverweis: Um 1852 übernahm die Brauereifamilie Meiklejohn die Gebäude der ehemaligen Grange Distillery in Alloa, die 1851 ihren Betrieb eingestellt hatte. Die Räumlichkeiten wurden für die Bierproduktion umgenutzt und fortan als Grange Brewery betrieben. Damit fand die einstige Whiskybrennerei eine neue Verwendung in der traditionsreichen Brauindustrie von Alloa.

Zurück zu John. Denn nach dem Betrieb von Finnieston führt seine Spur weiter auf die Isle of Man, dort übernahm die Familie Connal die Mount Gawne Brewery im Süden der Insel, welche ursprünglich um 1790 von der Familie Gawne errichtet worden. In einer Grundstücksurkunde vom 22. Dezember 1831 erscheint Margaret Connal als Witwe im Zusammenhang mit dem Erwerb der Brauerei. Ein Michael Connal unterzeichnete die Urkunde als Zeuge. Die Volkszählung von 1851 nennt eine 61-jährige Witwe Margaret Connal und ihren ungefähr 40-jährigen Sohn Michael, der als Brauer tätig war. Zum Haushalt gehörten außerdem die Töchter Marion Glas Gawne, Margaret Hinds und Euphemia Connal. Ein John Connal, der 1831 im Alter von 46 Jahren starb, wurde auf dem Friedhof von Rushen beigesetzt. Die historische Untersuchung zur Mount Gawne Brewery hält es für wahrscheinlich, dass er der verstorbene Ehemann dieser Margaret war. Besonders auffällig ist schließlich eine Erklärung von Euphemia Connal aus ihrem Insolvenzverfahren von 1854. Darin gab sie an, seit 26 Jahren auf der Isle of Man zu leben, also seit ungefähr 1828. Das entspricht dem Zeitraum, in dem die Finnieston-Unternehmer ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten bewältigen mussten.

Schaut man noch mal in die Generationen zuvor, dann findet sich wohl eine ältere Generation mit den Namen John, Michael und Ebenezer in Stirling, alle drei tauchen dort auf einer Spendenliste für einen Kirchbau auf (4. August 1783). Michael war ein wohlhabender Kaufmann und wurde sogar zum Provost von Stirling gewählt. Unsere Protagonisten sind jedoch erst kurz darauf geboren worden und wirklich viel Kreativität in der Vornamensuche herrschte damals in schottischen Familien nicht. Mit dem Wohlstand in der Familie ist zumindest denkbar, dass die die Connals nicht nur eine große Brennerei in Glasgow bauten, sondern nach deren Insolvenz auch einfach als Zuckerindustrielle eine Fabrik übernahmen bzw. eine Brauerei auf der Isle of Man kauften.

Und der Standort der Finnieston Distillery?

Der Standort der Finnieston Distillery gilt in der Sekundärliteratur als nicht nicht genau lokalisiert. Hume und Moss haben einen ungefähren Quadratkilometer eingekreist, von diesen Koordinaten müssen wir jedoch weiter nach Westen. Das Problem bei der Suche bestand vor allem an den mangelnden Karten, Finnieston lag damals außerhalb von Glasgow und wurde kaum erfasst. Aber dann hab ich doch noch eine Karte gefunden, die ganz am Rand nicht einmal das gesamte Grundstück erfasst - aber gerade so noch unsere Brennerei abbildet.

Und aus dieser lässt sich auch die Frage nach Brauerei oder Brennerei auflösen. Denn wir finden beides, dicht nebeneinander, dazu Gärten und Wohnhäuser. Ich würde sogar behaupten, die Brennerei ist nicht aus der Brauerei heraus entstanden. Die Brennerei wurde extra errichtet.

1828


Und heute? Heute reiht sich die Brennerei in die Supermarktparkplätze ein. Ganz konkret steht da jetzt ein Lidl: https://maps.app.goo.gl/4taXkbQrTfSueVUr9

 
 
 
 
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